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Weltmeisterschaft 2018 Lenzerheide

Unfassbare Stimmung!

„Mountainbike, Schweiz, super Wetter, Weltmeisterschaft und 25.000 Zuschauer – mehr Wörter braucht es eigentlich nicht um die WM 2018 in Lenzerheide zu beschreiben. Ich wusste ja, dass die Schweizer ein mountainbikeverrücktes Völkchen sind, aber dass die Eidgenossen es so krachen lassen, hat alle Erwartungen übertroffen.  Leute, Leute, Leute! Unfassbar was bei unserem WM-Rennen los war! Eigentlich hätte man Ohropax gebraucht. An eingen Stellen war es so laut, dass wir Fahrer selbst im Adrenalinrausch des harten Rennens eine Gänsehaut nach der anderen bekamen.

Froh überhaupt dabei zu sein

Aber alles zu seiner Zeit. Zunächst war ich erst einmal sehr froh, dass ich nach den Verletzungen in diesem Jahr überhaupt noch für diese Weltmeisterschaft nominiert wurde. Wäre ich nicht dabei gewesen, wäre mir eine unglaublich emotionale und ereignisreiche Woche mit der deutschen Nationalmannschaft in der Schweiz starten entgangen. Die Stimmung im deutschen Team war von Anfang an entspannt und gut. Eine Mischung aus Fokus und Entspannung. Wirklich eine perfekte Umgebung, die uns die Bundestrainer Peter (Speedy) Schaupp und Marc Schäfer vom Bund Deutscher Radfahrer, geschaffen haben.

Vor dem Rennen viel zu tun

Da für die gesamte Bikeszene die WM das Highlight ist, hatte ich in der Woche vorher noch viel zu tun.  Sponsorentermine mit ABUS, die mir extra einen speziellen WM-Helm designt hatten. Ein Shooting für das Mountainbike-Magazin. Mit Magura die Aktion “customize your brake” promotet. Doch das wichtigste war natürlich die Vorbereitung auf das WM-Rennen.

Tagelang getüftelt

Unzählige Runden auf der technisch sehr anspruchsvollen Strecke auf der Suche nach dem perfekten Setup. Gemeinsam mit meinem Fahrtechniktrainer, Olli Fuhrmann, erarbeiteten wir uns zunächst die optimalen Linien. Danach dann die Abtimmung des Bikes. Am Ende stand mein Bergamont Fastlane Team perfekt eingestellt am Start.

Setup des Bergamont Fastlane Team

Auf dem holprigen Untergrund war es besonders wichtig viel Komfort, viel Grip, wenig Rebound und trotzdem ein aggressives Set-Up zu haben.  Also natürlich das Racefully, Fastlane Team. Meine Magura MT8-Raceline Bremsen waren customized. Einen besonders harten Druckpunkt durch die 1-Finger-Carbon Bremshebel. Dazu natürlich passende Farben. Die RockShox Worldcup-Gabel mit 100mm Travel eingestellt auf 25% SAG.  Genauso der Rock-Shox-XX-Dämpfer. Bei den Reifen entschied ich mich für den neuen Maxxis Rekon Race. Viel Grip und dank EXO Protection auch mit sehr wenig Luftdruck zu fahren. Zusätzlichen Schutz durch PTN (pepi´s tire noodle). So verhindere ich, dass die Reifen und die superleichten Mavic Crossmac Carbon-Laufräder bei Durchschlägen beschädigt werden. Gewichtstuning durch leichte Syncros-Anbauteile, denn bergauf zählt jedes Gramm.

Mein Setup

Ich habe mich sehr sorgfältig und genau auf diese Weltmeisterschaft vorbereitet. Speziell designte Intervalle, Grundlagentraining, Atemtraining für die Höhe sowie zusätzliches Krafttraining. Gute Werte im Training gaben mir Selbstvertrauen für meine zweite Weltmeisterschaft bei den Profis. Als ich vor über 25.000 Zuschauern in einer der hinteren Startreihen stand, fühlte ich mich so bereit wie noch nie in diesem Jahr.

Gänsehaut vor dem Start

Als letzter Fahrer wurde ein gewisser Nino Schurter aufgerufen. Was dann passierte habe ich noch nie erlebt. Die Schweizer Fans brannten ein Feuerwerk der Emotionen ab. Die Menge eskalierte und es war eine Lautstärke, die sogar die Flugshow, die vor dem Start über dem Gelände ablief in den Schatten stellte. Damit war schon vorher klar, dass hier und heute eine besonderes Rennen lief. Wie ich hatten fast alle anderen Fahrer Gänsehaut. Das war schon ein sehr emotionaler und spezieller Moment für uns alle.

Klare Taktik -> von 57 ab nach vorne

Die besondere Atmosphäre, die Show drum herum, es war klar, dass jeder im Starterfeld eine Extraportion Motivation bekam. Meine Aufgabe von Startplatz 57 weit nach vorne zu fahren, wurde dadurch nicht unbedingt einfacher. Da es nach dem Start in einen immer schmaler werdenden Anstieg ging und dann einzeln und hintereinander in den ersten Wurzeldownhill, war vorauszusehen, dass es ab ca. Position 25 eng werden würde. Daher wollte ich unbedingt so weit nach vorne wie möglich.Wollte ich…

Danish Dynamite? Ne, wohl eher Rohrkrepierer

Normalerweise gehöre ich zu den guten Startern. Normalerweise finde ich selbst zwischen den besten Fahrern der Welt immer wieder Lücken, die ich nutze. Normalerweise…. und ausgerechnete bei der WM hatte ich gar keine Gelegenheit dazu. Ein Däne fand sein Pedal nicht, rutschte ab und schwupps war ich am Ende eines riesigen Staus. Also Taktik (siehe oben) schon erledigt. Und nun?

Aufgeben ist keine Option

Ich wusste, dass wenn ich nicht unter den ersten 50 Fahrern in den ersten Downhill gehen würde, das Rennen wohl quasi gelaufen wäre. Somit investierte ich gleich im ersten Berg alles und überholte bis zum Downhill zum Glück noch mindestens 30 Fahrer. Irgendwo zwischen Platz 50 und 60 ging ich also ins “echte” Rennen.

Quäl Dich

Was dann folgte, waren unfassbare Qualen. Überholvorgänge in technischen Trails, höchstes Risiko. Durch die Höhe dfühlte es sich bei jedem Antritt an, als ob mir meine Lunge platzt. Doch es schien sich auszuzahlen. In den folgenden Runden machte ich Position um Position gut. Top 15 bis Top 20-Rundenzeiten brachten mich nach vorne. Eindrucksvoll. Ich schrie mich an: “Du musst dich noch mehr quälen!”. Und das tat ich. Und zwar ohne die Konzentration und die saubere Fahrweise zu verlieren.

ALLOUT

In der vorletzten Runde gab ich noch einmal alles. Auf Platz 30 ging es in die letzte Runde. Top 25 in Sichtweite. Ich versuchte noch mehr drauf zu packen. Doch die Höhenluft ließ nichts mehr zu. 12 Minuten später lag ich komplett fertig im Ziel. Ich konnte kaum noch stehen, hatte Krämpfe in Armen und Beinen.  Für einen kurzen Moment wusste ich nicht einmal, wo ich bin. Alles klare Zeichen, dass heute echt ALLOUT war. Hier mein Statement direkt nach der Zielankunft:

Kaputt und zufrieden im Ziel

Als ich wieder bei mir war, hatte ich unglaubliche Glücksgefühle. Trotz Riesenpech die Top 30 geknackt. Bester Deutscher!  Das WM-Rennen war im Endeffekt ein Spiegelbild meiner gesamten Saison: Viel Pech und (Verletzungs-Probleme), aber niemals ließ ich den Kopf hängen.  Über den Kampf ins Spiel, sagt man bei uns im Ruhrpott. Und so war es auch bei mir. Mit viel Arbeit und Konzentration erreichte ich trotzdem bei den Highlight-Rennen immer noch ein tolles Ergebnis.

Hätte, Hätte, Fahrradkette

Natürlich hätte es noch besser sein können. Meine Rundenzeiten waren bis auf die erste und letzte Runde immer auf Top20-Niveau. Doch die Aufholjagd nach dem besch…… Start kostete mich zu viele Körner, um noch weiter nach vorne zu kommen.  Es war trotzdem ein wichtiger Schritt in meiner Entwicklung. Und in den nächsten Jahren werden wir sehen, wo die  Reise noch hingeht. Auf jeden Fall bin ich sicher, dass ich bald die Top 15 bald knacken werde.

Danke

Zum Schluss möchte, nein muss ich DANKE sagen. Denn auch wenn ich als Protagonist nach außen sichtbar bin, ist der Erfolg der eines ganzen Teams. Zunächst und vor allem natürlich an meine Hamburger Bergamont-Familie. Straight from St. Pauli bedeutet in meinem Fall, dass ich noch nie so guten Support hatte wie in diesem Jahr. Die Bikes und das ganze Material ist auf absolutem Top-Niveau. Wir arbeiten seit so vielen Jahren zusammen, haben immer gemeinsam daran geglaubt, dass in der ELITE was gehen kann und jetzt gehöre ich zu den besten 30 XCO-Sportlern auf der Welt! Weiter dazu gehören auch unsere Teampartner. Von MAXXIS-Reifen habe ich wirklich für jede denkbare Situation die richtige Verbindung zur Piste. In der gesamten Saison hatte ich nur einmal einen Reifenschaden. Sauschnell und verläßlich, so muss das. Wenn ich dann trotz super Grip mal bremsen muss, kann ich mich immer 100% auf meine MAGURA-Bremsen verlassen. Auch diese sind individuell auf mich abgestimmt und ich habe für jedes Wetter und jede Strecke die Möglichkeit, z.B. Bremshebel oder Bremsbeläger anzupassen. Alle meine Bikes werden SRAM-Komponenten angetrieben. Ob Staub oder Matsch, der Antrieb funktioniert immer einwandfrei. Bei der WM konnte man sehen, dass viele andere Fahrer, die mit Fremdfabrikaten unterwegs waren, Probleme hatten. Die ruppige Piste in Lenzerheide ließ deren Ketten abspringen, was bei Einfachantrieben natürlich fatal ist. Solche Situationen kenne ich nicht. Zwischen Reifen und Antrieb verrichten die Mavic-Laufräder klaglos ihren Dienst. Trotz Carbonfelgen unempfindlich auch im harten Weltcupeinsatz, einfach perfekt. Dazu Anbauteile der Leichtgewichtskathegorie. SYNCROS Bikeparts versorgt mich mit Lenkern, Griffen, Vorbauten und Sattelstützen und zwar so, dass ich auch hier für jede Strecke auf unterschiedliche Setups zurückgreifen kann. Ein wichtiger Teil des Sponsorenteams ist ABUS bicycles. ABUS kommt aus meiner unmittelbaren Nachbarschaft, Wetter (Ruhr). Ein tolles Unternehmen, das nicht nur geile Helme hat, sondern sich auch vorbildlich im Sport engagiert. ABUS hat mir extra für die WM  einen Helm Gamechanger in neongelb gefertigt, damit mich alle Fans im Gewühl gut erkennen können. Hat geklappt!

DANKE, die zweite

Zu meinem Team gehöhren auch die Sponsoren, die mich direkt mit so wichtigem Material wie Sätteln, Brillen oder tire-noodles versorgen. Allen voran GEBIOMIZED. Die maßangefertigen Sättel sind perfekt auf mein Hinterteil abgestimmt und sorgen zusammen mit dem besten bikefitting, dass man sich vorstellen kann, dafür, dass meine Kraft optimal aufs Pedal kommt. Der Output wird außerdem durch spezielle GEBIOMIZED-Schuheinlagen optimiert. Hier habe ich sogar für unterschiedliche Belastungssituationen (z.B. Training oder Rennen) spezielle unterschiedliche Schuheinlagen. Guter Durchblick ist wichtig. Gut , dass ich mich auf Brillen und Kontaklinsen von Optik Schürzholz verlassen kann. Auch hier habe ich für unterschiedliche Licht- und Wetterverhältnisse verschiedene individuell auf mich abgestimmte Gläser oder Linsen. Und last but not least: Nudeln! Ich weiß schon, dass ihr jetzt an Kohlehydrate denkt. Die sind auch wichtig im Sport. Doch Pepi´s Tire Noodle schützt bei nur 80 g Gewicht Reifen und Felge zuverlässig vor Durchschlägen und Defekten. Ich bekomme sie von maxxalami und bin heilfroh, dass ich durch die Noodle noch schneller und sicherer auf den Weltcupstrecken unterwegs sein kann.

DANKE, die dritte

Das beste Material nützt aber nichts, wenn der Fahrer nicht in Topform ist. Ich bin froh, dass ich viele Spezialisten um mich habe, die sich um mich kümmern. Allen voran die Trainingsexperten von rpb-sports, die im Team mit meinem Dad, Hansjörg Zwiehoff, meine individuelle Trainingsplanung machen. Performance muss auch auf die Piste. Daher bin ich froh mit selmastar und Oliver Fuhrmann den Fahrtechniktrainer zu haben, der die beste Linie sogar mit verbundenen Augen erkennt. Und mein Mentalcoach, Bernhard Mollenhauer, sorgt dafür, dass ich immer genau das richtige Gleichgewicht zwischen Ent- und Anspannung finde. Dazu kommen meine Physiotherapeuten Thorsten Walter von PhysioAthletics und Reiner Petrat. Sie haben mich bei allem Verletzungspech, das ich in dieser Saison hatte, jedes Mal superschnell wieder fit bekommen. Alle Genannten stimmen sich permanent untereinander ab und ich kann mich darauf verlassen, dass die Maßnahmen perfekt zueinander passen. Danke natürlich auch an meine Familie, Freunde und Fans. Ihr seid die Besten und Eure Unterstützung ist so unglaublich wichtig.

Und nun? Wie geht´s weiter?

Das große Ziel ist und bleibt TOKIO 2020! Dafür kämpfe ich auch weiter jeden Tag. Bis dahin heißt es nun Schritt für Schritt weiter zu arbeiten auf dem Weg in die absolute Weltspitze. In diesem Jahr stehen für mich jetzt noch die beiden Bundesligarennen in Freudenstadt und Titisee auf dem Programm. Zum Abschluss werde ich dann noch das EPIC Israel bestreiten und im Anschluss dort hoffentlich noch ein paar erholsame Tage verbringen können. Drückt mir die Daumen, dass ich weiter in der Erfolgspur bleibe.

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