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Trauer in Meribél überschattet Weltcupfinale

Es gibt so Tage, an denen weiß man vorher schon, dass es heute eine zähe Angelegenheit wird. Nach vier erholsamen Tagen Zuhause in Essen habe ich am Donnerstag in aller Frühe mit meiner Familie und meiner Nationalmannschaftskollegin Majlen Müller die 11-stündige Anreise nach Meribel zum letzten Weltcup des Jahres angetreten.
Dabei war mir durchaus bewusst, dass es in Meribel nicht optimal laufen könnte. Die Höhe von rund 1.500 Metern, die körperliche Reaktion auf die 5-Tages-Tortur bei der Trans Schwarzwald sowie die Tatsache, dass ich das Rennen komplett aus einer Erholungsphase fahren würde, waren für mich Unsicherheitsfaktoren genug, um nicht von einem Top-Resultat auszugehen. Dennoch war ich hoch motiviert und wollte allen beweisen, dass sich eine eher unkonventionelle Vorbereitung mit einem Marathon-Etappenrennen und ein High-Speed Cross-Country Weltcup nicht gänzlich ausschließen. Des Weiteren war es mir zusätzlich wichtig zumindest noch ein paar Pünktchen für die Weltcup-Gesamtwertung sowie die Weltrangliste zu erhaschen.

Überschattet wurde die ganze Veranstaltung vom tragischen Rennunfall der holländischen Vizemeisterin Annefleur Kalvenhaar. Sie war in der Qualifikation zum XCE-Wettbewerb von einer hohen Holzbrücke schwer gestürzt und erlag am Samstag ihren schweren Kopfverletzungen. An dieser Stelle möchte ich mein herzliches Mitgefühl für alle Hinterbliebenen sowie Freunde und Kollegen, insbesondere meinen Freunden vom Focus XC- Team, aussprechen. Es ist traurig mit anzusehen, dass eine so junge Sportlerin in Ausübung ihres Lebenstraums von uns gehen musste. Als Geste des Mitgefühls war es mir als Sportler eine große Ehre mit einer Blume auf der Startnummer zu fahren.

Nachdem die Radsportwelt kurz innehielt und Zeit für Trauer ließ, stand trotzdem am Sonntag, so schwer es auch fallen mochte, „business as usual“ an. Um 11 Uhr fiel der Startschuss zu unserem U23-Rennen. Meine Startposition 46 war im Verhältnis zu jener, welche ich noch vor einem Jahr inne hatte (irgendwo um die 120 herum), schon deutlich besser. Dennoch fiel es mir schwer auf der nur 260 Meter langen Startloop in die Gänge zu kommen, geschweige denn Plätze gut zu machen. So sortierte ich mich am ersten Berg zunächst in der Top 40 ein und versuchte in der Folge von dort aus weiter nach vorne zu kommen. Dies gelang mir in der ersten Runde zwar ganz gut, dennoch war ich mit Platz 33 immer noch sehr weit von den Punkten entfernt.  In Runde 2 und 3 spürte ich die Auswirkungen der Trans Schwarzwald dann recht deutlich. Ich konnte zwar immer ein konstantes Tempo fahren, nur waren die absoluten Spitzenleistungen noch nicht möglich, so dass es für mich immer schwieriger wurde noch den Anschluss an die Top 25 zu schaffen. Ich ließ mich jedoch nicht davon irritieren und fuhr weiter so konstant und hatte auch das Gefühl, dass ich ab der dritten Runde dann noch eine Schüppe drauf legen konnte. So war es dann schlussendlich auch. In den letzten drei Runden habe ich es dann doch noch geschafft Rundenzeiten um die Plätze 10-17 zu produzieren, was mich letztlich dann von Platz 28 noch auf 23 katapultierte. Am letzten Berg hatte ich sogar noch Anschluss an die Top 20 und war nur denkbar knapp hinter meinem Nationalmannschaftskollegen Christian Pfäffle, doch die Aufholjagd kostete mich zu viel Energie, um im Downhill mitzuhalten.

Trotzdem hatte ich es wieder einmal geschafft unter die besten drei Deutschen beim Weltcup zu fahren und auch trotz der wirklich sehr zähen ersten drei Runden noch drei Weltranglistenpunkte aus Frankreich mitzunehmen. Ich blicke mit gemischten Gefühlen auf die Weltcupsaison 2014 zurück. Mit den Plätzen 20, 23 und 24 bei den europäischen Weltcups habe ich bewiesen, dass ich zu den besten 25 U23-Bikern der Welt zähle, jedoch war zumindest in Frankreich beim Finale mehr drin. Mein 40. Platz in der Gesamtwertung ist vor dem Hintergrund, dass ich nur 3 der 7 Weltcups gefahren bin, daher auch o.K.

Für mich steht nun die unmittelbare Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft in zwei Wochen im norwegischen Hafjell an. Diese umfasst am nächsten Wochenende noch ein C1-Rennen in Dänemark und letztlich dann ab übernächster Woche ein intensives Training auf der Strecke in Hafjell.

Drückt mir die Daumen, dass die letzten zwei Wochen der Vorbereitung weiter so optimal laufen, wie der Rest und dass ich ohne Krankheit und Verletzung bis nach Norwegen komme.

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