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Top 15 – European Championships Glasgow

Nach meiner Bronzemedaille bei der deutschen Meisterschaft war das nächste große Ziel eine Top-Platzierung bei den European Championships. International kam mir in diesem Jahr schließlich schon genug dazwischen.

European Championships – das ist ein neues Multisportevent, bei dem viele verschiedene Sportarten ihre Europameisterschaften am gleichen Ort austragen, vielleicht sogar sowas wie “Olympia light”.

Froh bei Mini-Olympia dabei zu sein

Ich war bereits super froh, dass ich nach meiner verletzungsreichen Saison überhaupt für die EM in Frage kam und dann auch noch als einer von fünf Sportlern zum Aufgebot der Mountainbikenationalmannschaft des Bund deutscher Radfahrer gehörte. Die Stimmung in Glasgow war über die gesamte Zeit entspannt. Dadurch, dass die Nachwuchs-EM bereits eine Woche zuvor in Graz stattfand, war die Strecke im Training extrem leer und man konnte sich viele Stellen deutlich intensiver anschauen, als das im Weltcup möglich ist. Im Fahrerlager galten ebenfalls besondere Regeln. So wurde penibel darauf geachtet, dass kein Zuschauer in den Backstage-Bereich kommt und für das leibliche Wohl der Fahrer war in der “Athletes Lounge” ebenfalls gesorgt. Alles in allem sagten viele Sportler, die bereits an olympischen Spielen teilgenommen haben, dass sich GLASGOW 2018 in vielen Bereichen wie Olympia angefühlt hat und somit auch den Namen “Mini-Olympia” durchaus verdient hat.

36, Zwiehoff, Ben , Bergamont Factory Team, MTB Sportverein Steele, GER

Ähnlich wie bei Olympia auch gab es eine erhöhte Medienpräsenz für fast alle Sportarten. So waren wir natürlich alle gleich doppelt motiviert, als wir hörten, dass das ZDF kurz nach unserem Start live auf unser Rennen gehen würde. Man hatte auch während des Rennens fast das Gefühl, dass sich vor allem in der engen Anfangsphase alle heute besonders gut benahmen und auf keinen Fall mit irgendeinem dummen Fehler oder einer unfairen Aktion im Fernsehen landen wollten. Das ging alles wirklich gesittet zu.

Zu meinem Rennen gibt es eigentlich gar nicht so viel zu erzählen. Viele haben mir bereits geschrieben, dass sie es sich live im TV angesehen haben und man so deutlich mehr mitbekommen hat, auch was die Positionen zwischen Platz 10 und Platz 20 angeht.

Guter Start, doch dann…

Ich habe eigentlich einen guten Start erwischt und konnte mich sogar bis in die Top 15 vorarbeiten. Leider bin ich auf der Zielgeraden (nach der Startloop) etwas zu früh zurück in den Windschatten der vor mir platzierten Fahrer gefahren. Dadurch ging rechts neben mir eine Lücke auf, die ca. 10 Fahrer natürlich gleich nutzten. Das war ein doofer Fehler, der mich im ersten Anstieg gleich ins Hintertreffen brachte. Durch das Gerangel und den Stau verlor ich in der ersten Runde ca. 15 Sekunde auf die Gruppe, die um die Top Ten fuhr und in der sich auch Georg Egger befand. Davon ließ ich mich allerdings nicht beirren und fuhr weiter konstant mein eigenes Tempo. Den ersten guten Zug, den ich dann erwischte war der Spanier David Valero. Ich fuhr zwei Runden lang an seinem Hinterrad und konnte mich so in die Top 20 vorarbeiten. Leider war dieser Zug am Ende wohl etwas zu gut. Ich ließ David am Berg fahren und das war letztlich wohl auch eine gute Entscheidung. Valero fuhr ein brutales Tempo und sicherte sich am Ende sogar noch die Bronzemedaille. Ich blieb weiter ruhig und ging kein Risiko ein. Ich wollte lieber ein konstantes Rennen bis ins Ziel bringen als am Ende in der letzten Runde einzugehen und dann noch viele Positionen zu verlieren. Als es dann in die letzte Runde ging lag ich auf dem 19. Platz. Jetzt war der Zeitpunkt gekommen, an dem ich alles auf eine Karte setzen konnte, und genau das machte ich dann auch. Eine Runde Vollgas sowohl bergauf, als auch bergab. Am letzten Berg sah ich eine 6-köpfige Gruppe vor mir. Ich wusste, dass das meine Chance ist noch in die Top 15 zu fahren und gab nochmal alles. Vor dem letzten Downhill konnte ich 4 Fahrer aus dieser Gruppe überholen und konnte lediglich den Belgier Jens Schuermans und den Schweizer Andri Frischknecht nicht mehr überholen. Bergab ging ich dann kein allzu großes Risiko mehr, weil ich wusste, dass ich im Ziel mein erstes internationales Top 15 Resultat feiern würde, wenn jetzt alles glatt geht. Genauso kam es dann auch. Durch eine sehr starke letzte Runde kam ich als 15. ins Ziel. Georg konnte in der Gruppe vor mir ordentlich mitgehen und sicherte sich nach hartem Kampf sogar Platz 9. Das war ein super Teamergebnis und ein Zeichen dafür, dass wir jungen Fahrer in den nächsten zwei Jahren bis Olympia 2020 auf jeden Fall eine gute Chance haben. Bei “Olympia light” 2018 in Glasgow war es auf jeden Fall schonmal die Top 15.

36, Zwiehoff, Ben , Bergamont Factory Team, MTB Sportverein Steele, GER

Danke an meine Sponsoren, allen voran Bergamont. Das Revox war eine Waffe auf dem schnellen Kurs. Ich finde es super geil, dass wir unseren Weg seit nun mehr 1,5 Jahrzehnten gehen und jetzt auf einmal Bergamont-Bikes in den Top 15 von Europa rumfahren. Das hätten wir alle vor zehn Jahren bestimmt nicht gedacht. Danke dafür, dass ihr mir in jeder Lage den Rücken freihaltet und mich vor allem auch in schlechten Zeiten wie in diesem Jahr bedingungslos unterstützt und in mich vertraut. Gleiches gilt auch für den Bund deutscher Radfahrer, der seit gut zehn Jahren auf mich setzt.

Ich muss das Ganze jetzt erstmal ein paar Tage verdauen bevor es an die Vorbereitung für die Weltmeisterschaft Anfang September in der Schweiz geht. Mit meiner jetzigen Form sollte auch da ein Top-Resultat möglich sein

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