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Saisonfazit 2015

Vor genau einem Jahr im Oktober war ich super aufgeregt und glücklich, meine Vertragsverlängerung bei meinem langjährigen Team Bergamont bekannt zu geben. Ich war glücklich über das Vertrauen, das mir meine Freunde aus Hamburg nach 12 jähriger Zusammenarbeit aussprachen, über die Rahmenbedingungen des neuen Vertrags, der mir nicht nur die Möglichkeit gibt, meinen Sport als Profi auszuüben, sondern auch die tägliche Motivation erweitert und den Spaßfaktor nochmals erhöht, über die Vorfreude auf die neue Saison und über die große Chance, die mir in den nächsten Jahren zu Teil wird.

Ein gutes Jahr später wird es Zeit für mich ein Resümee aus diesem ersten Jahr als „Profi“ zu ziehen.
Eins vorweg: Im Großen und Ganzen bin ich sehr zufrieden mit meinem sportlichen Jahr 2015. Ich habe sehr viele gute Erfahrungen gemacht und habe Erinnerungen gesammelt, die mich ein ganzes Leben begleiten werden und mir zeigen, dass ich den besten Job der Welt habe. Ich habe mich was mein Training und meine Mentalität angeht im Vergleich zum Vorjahr weiter entwickeln können und habe einige meiner Schwächen erkannt und zum Teil schon verbessert. Genau darauf kommt es letztlich auch an: Man muss versuchen sich immer weiter zu entwickeln und immer hart an sich arbeiten bzw. aus Fehlern die richtigen Konsequenzen ziehen.

Ich habe mir lange überlegt, wie ich am besten ein Fazit zu dieser Saison schreiben kann. Eine Möglichkeit wäre einfach chronologisch vom Anfang bis zum Ende alle Highlights aufzuzählen. Daraus würde sicherlich ein schöner Überblick über die sportlichen Höhen und Tiefen der Saison resultieren. Jedoch geht es mir mehr darum euch einen Einblick dahingehend zu gewähren, was nach so einer Saison in mir vorgeht und was meine Gedanken in Bezug auf das letzte Jahr bzw. auch aufs nächste Jahr sind.

Das Sportliche wird immer das Wichtigste meines Jobs sein, das ist richtig. Daher will ich exemplarisch jeweils einen Höhepunkt und einen Tiefpunkt des Jahres 2015 nennen.

Mein absolutes Highlight des Jahres war der Mountainbike Weltcup in Lenzerheide. Das mag sicherlich überraschen. War dieser weder mein bester Weltcup, noch so prestigeträchtig wie der Europameistertitel mit der Mannschaft. Aber der Weltcup in der Schweiz war das entscheidende Rennen der Saison. Warum war er das? Ganz einfach: Weil er mir nach der desolaten deutschen Meisterschaft gezeigt hat, dass ich es drauf habe, dass ich mit den besten der Welt mithalten kann, und er den Grundstein gelegt hat für eine super erfolgreiche Europameisterschaft sowie die zwei Übersee-Weltcups. Lenzerheide war insofern ein Wendepunkt in meiner bis dahin eher überschaubaren Saison.
In Lenzerheide haben auch alle äußeren Faktoren kaum eine Rolle gespielt, was mental für mich ein enormer Fortschritt war, habe ich mich doch öfter mal in dieser Saison von irgendwelchen Unwägbarkeiten ablenken lassen.

Der Weltcup in der Schweiz war mein persönliches Highlight. Dies hatte aber auch noch einen anderen Grund. Zwei Wochen zuvor hatte ich in Saalhausen den Tiefpunkt schlecht hin. Die deutsche Meisterschaft in meiner Heimat NRW war wie ich bereits geschrieben habe „zum Vergessen“. Ausgeschieden, Rippe gebrochen, Traum geplatzt und Ziel verfehlt. Wenn man so wie ich fast ein Jahr lang auf ein Event hinarbeitet, man seinem Ziel schon relativ nah ist und es einem dann einfach so aus den Händen gleitet, ist das schwierig zu verarbeiten. Nach der DM stand meine ganze Saison auf der Kippe. Ich bin nicht nur nicht deutscher Meister geworden, sondern habe mich auch noch verletzt und war nicht sicher, ob ich überhaupt in Lenzerheide starten konnte. Die erste Woche habe ich unter großen Schmerzen weiter trainiert. Tägliche Physiotherapie, zahlreiche Untersuchungen im Krankenhaus und Mobilitätsübungen für die Rippenmuskulatur waren ein Grund warum ich überhaupt in der Lage war in der Schweiz zu starten. Offenbar habe ich das körperliche in den zwei Wochen zwischen DM und Lenzerheide in den Griff bekommen. Was man von außen nicht erkennen kann, ist die Tatsache, dass die DM mir mental enorm geholfen hat. Geholfen? Was erzählt der Zwiehoff da schon wieder? Ja geholfen. Durch die DM bin ich überhaupt in die mentale Verfassung gekommen, um in Lenzerheide 9., bei der EM 7., in Kanada 8. und in New York 11. zu werden. Insofern war die DM zwar super enttäuschend, hat mir aber auch den Weg für den Rest der Saison gezeigt.

Was geht jetzt nach diesem Jahr in mir vor? Ich habe die interne Zielvorgabe (DM ausgeklammert) für dieses Jahr erfüllt. Ich wollte mich im Verhältnis zum letzten Jahr steigern und zeigen, dass ich an guten Tagen mit der Weltspitze mithalten kann. Dies ist mir gelungen. Ohne zu überschwänglich zu werden, hätte ich die Saison von den Ergebnissen her genauso unterschrieben, wenn man mir das Anfang des Jahres gesagt hätte. Allerdings muss man auch kritisch sein und sagen, dass es mir zum Ende hin nicht mehr gelungen ist, die starke Verfassung des Sommers noch einmal für die WM zu mobilisieren. Die Gründe dafür sind zahlreich und an dieser Stelle auch nicht gerade passend. Allerdings werde ich auch daraus für die nächsten Jahre lernen und versuchen dafür eine Lösung zu finden.
Ein Gedanke, der mir während der Saison häufiger kam, war der bezüglich meiner Motivation für das Training im kommenden Winter. Ich hatte viele Momente, in denen ich mich schon auf die vielen Trainingseinheiten, die ab Oktober wieder kommen werden, gefreut habe. Das ist bei mir nichts ungewöhnliches, allerdings habe ich damit nach einer solchen Saison, die für mich die anstrengendste Saison bisher war, ehrlich gesagt nicht gerechnet. Ich dachte, dass ich mal froh bin, wenn ich mein Bike ein paar Wochen in die Ecke stellen kann und durchatmen kann.
Dies ist nicht der Fall. Ich freue mich schon total auf den Trainingsstart Anfang Oktober und werde versuchen an verschiedenen Stellen weiter zu arbeiten und wieder neue Sachen auszuprobieren, um mich für nächstes Jahr weiterzuentwickeln. Das ist Teil meiner Arbeit und bereitet mir Jahr für Jahr große Freude. Ich bin super motiviert für 2016 und werde in meinem letzten U23 Jahr versuchen, den Sprung nach ganz vorne zu schaffen.

Was ich sonst noch loswerden wollte:

Letztlich möchte ich noch Danke sagen:

Danke an die Firma Bergamont sowie alle Sponsoren des Bergamont Factory Teams. Ihr unterstützt mich seit Jahren auf absoluten Topniveau und gebt mir in jeder Phase Rückendeckung. Für mich ist es der perfekte Ort um mich in Ruhe zu entwickeln und das sehe ich nicht als Selbstverständlichkeit. Die Parts bzw. Reifen von Manitou, Sun Ringlé, Maxxis und die Klamotten von Endura rahmen dieses perfekte Umfeld ein!

Mein Dank geht weiter auch an alle meiner privaten Sponsoren:

Die Firma Gebiomized unterstützt mich nun auch seit Jahren mit hervorragenden maßangefertigten Sätteln und stellen mehrmals im Jahr meine Räder im Rahmen eines umfangreichen Bikefittings ein. Vor allem das Bikefitting ist nicht nur was für den Profibereich, sondern hilft jedem Radfahrer komfortabel und effizient sein Bike zu nutzen. Bei Interesse solltet ihr auf jeden Fall die Jungs aus Münster im Hinterkopf behalten.

Danke meinem Physiotherapeuten Rainer Petrat, der die letzten 7 Jahre an meiner Seite steht und einmal wöchentlich für die nötige Regeneration sorgt. Wenn ihr in Essen und Umgebung mal auf der Suche nach einem kompetenten Masseur seid schaut mal in der Paulinenstr. 109, 45131 Essen vorbei. Danke meinem zweiten Physiotherapeuten Thorsten Walter aus Bergisch Gladbach, der vor allem bei meinem Rippenbruch für mich da war und dafür gesorgt hat, dass ich überhaupt in Lenzerheide fahren konnte. Für ihn gilt gleiches in Bergisch Gladbach und Umgebung. Schaut ruhig mal bei Physio Athletics auf der Hauptstrasse 284-286, 51465 Bergisch Gladbach vorbei.

Danke den Olympiastützpunkten Rheinland bzw. Rhein Ruhr für trainings- bzw. sportwissenschaftliche Unterstützung, für die Laufbahnberatung und für das mentale Training mit Grit Moschke.

Danke an die Sportstiftung NRW, die mich seit diesem Jahr im Rahmen der Nachwuchseliteförderung unterstützt. Ich finde es super, dass es in NRW eine Stiftung gibt, die die fehlenden Verdienstmöglichkeiten im Spitzensport ausgleicht und sich dafür einsetzt, dass erfolgreiche Sportler weiter erfolgreich sein können.

Danke an die deutsche Sporthilfe, die mich nicht nur seit Jahren finanziell unterstützt, sondern ihre Förderung immer weiter ausbaut. So nahm ich in diesem Jahr zum ersten Mal an dem Sporthilfe Elite Forum in Berlin teil, wo wir in verschiedene Berufe Einblick erhielten und die Chance hatten einige bekannte Persönlichkeiten kennen zu lernen.

Danke an den Bund Deutscher Radfahrer für den Support bei den internationalen Wettkämpfen. Ich werde mich auch in den nächsten Jahren immer für euch reinhängen und den Adler mit Stolz auf der Brust tragen.

Danke an meinen Verein und an meine Vereinskollegen vom MSV Essen Steele 2011. Ihr habt mir nicht nur einmal in diesem Jahr gezeigt was Support aus den eigenen Reihen bedeutet. Ich bin stolz darauf ein Teil von euch zu sein und freue mich auf jedes einzelne Treffen. Der MSV Steele wird in den nächsten Jahren weiter wachsen und über das Ruhrgebiet hinaus ein großer Name sein, da bin ich mir sicher.

Zu guter Letzt: Danke an meine Eltern, die mich immer und überall unterstützen! Ich kann gar nicht alles aufzählen, was ihr leistet. Ohne euch wäre ich nicht mal in der Lage auch nur das Wort Weltcup auszusprechen, geschweige denn an einem teilzunehmen. Ihr seid für mich da wenn´s gut läuft, aber vor allem wenn es schlecht läuft. Ihr gebt euch oft genug selber auf, um mir mein Leben zu erleichtern und seid mir damit ein Vorbild, wie ich später mal sein möchte! Worte können meine Dankbarkeit dafür nicht ausdrücken und deswegen versuche ich es auch nicht weiter, einfach nur: Danke!

Danke aber auch meinem großen Freundeskreis. Ihr helft mir zwischen den Rennen runter zu kommen und zeigt mir, dass es immer wieder eine Freude ist nach Hause zu kommen! Eigentlich will ich keinen von euch explizit nennen, aber mein Trainingspartner Florian Kortüm (FloKo) hat in dieser Saison an meiner Leistung einen großen Anteil. Er half mir nicht nur die nötige Lockerheit für die Rennen zu bewahren, sondern war in nahezu jeder Trainingsphase mein Partner und hat mir mehr als einmal den „Arsch gerettet“ im Training. Ich freue mich schon auf jede weitere Minute mit dir!

Nach einer kleinen Krankheit in der letzten Woche gönne ich mir bis Anfang Oktober noch eine etwas ruhigere Phase, bevor mein Wintertraining dann erst so richtig los geht. Drückt mir die Daumen, dass ich gesund bleibe! Wir sehen uns sicher im nächsten Jahr!

Bis dahin: Ride on!

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