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Radfahrer, die jeder kennt. Teil 2

Zeit für Radfahrer, die jeder kennt, Teil II. Wenn euch noch mehr von den Kollegen einfallen, schreibt es wieder auf Facebook in die Kommentare. Teil Drei steht auch schon in den Startlöchern 😉

 

Die Memme: Ach wie schön wäre es. Man trifft sich bei bestem Wetter, keine Termine, die einen vom Radfahren abhalten, alle sind gut drauf und freuen sich auf die gemeinsame Tour. Wirklich alle? Nein, denn es gibt einen Typ Radfahrer, für den wurde der Ausdruck „Mimimimimi“ praktisch erfunden. Dieser Idiot stört sich wirklich an allem. Im Sommer ist es zu heiß, im Winter zu kalt, der Berg ist zu steil, der Downhill ist zu lang, dein Bike ist zu leicht, sein Bike hat die falsche Farbe, die Schwester seines besten Freundes kam 1997 im August wegen einer Lungenentzündung für eine Nacht ins Krankenhaus, wo er sie dann am nächsten Morgen abholen musste und sich dort mit einem seltenen Krankenhauskeim angesteckt hat und für 8 Tage erkältet war, und weswegen er schließlich heute nicht so schnell fahren kann. Genauso geht es den ganzen Tag bei diesem Weichei. Schlimm wird es, wenn er mal stürzen sollte oder kurz davor ist zu stürzen. Dann kannse die Tour eigentlich schon inne Tonne kloppen, weil der Typ nie wieder aus seinem Mitleidsfilm raus kommen wird. Für den gilt wirklich jeden Tag der Spruch: „Wärse mal lieber mit deinem Arsch im Bett geblieben“. Mimimimimi!

Der Typ, den keiner kennt, der sich aber immer in die Gruppe mogelt: Besonders auf langen Rennradausfahrten macht sich diese Type bemerkbar oder besser gesagt erstmal unbemerkbar. Man trifft sich mit einer größeren Gruppe und fährt die ersten paar Kilometer schön entspannt. Alle kennen sich und sind mehr oder weniger befreundet. Doch nach einigen Führungswechseln fällt auf, dass man einen blinden Passagier mit an Bord hat. Kein Schwein kennt ihn, niemand hat ihn überhaupt schonmal gesehen und doch ist er da. Meistens in Camouflage gekleidet, damit ihn erst keiner bemerkt. Wenn er aber durch zu langes „lutschen“ (siehe der „Lutscher“) bereits negativ aufgefallen ist, dann tut dieser kleine Gauner doch tatsächlich so, als würde er alle kennen und erzählt von ganz alten Kamellen, wie er früher mit Miguel Indurain die Tour de France, Vuelta und Dauphine gefahren ist und er ihn teilweise am Berg schieben musste. Zitat: „Früher, das muss noch vorm Krieg gewesen sein, bin ich mit Bjarne Riis in Belgien gefahren, da gab et noch gar keine Luft im Reifen, da ham wa dat noch mit Sand gefüllt, dat Dingen“. Ja neee is klar….

Der Downhiller: Ganz klar, bester Mann, wenn man in der Gravity-Szene unterwegs ist. Für längere Endurotouren auch noch zu gebrauchen, beim Cross-Country-Training auf jeden Fall fragwürdig. Beim Downhiller ist der Name Programm. Der fährt den ganzen Tag eigentlich nur, damit er irgendwo für ein paar Meter bergrunter fahren kann und seine unersättliche Gier nach Adrenalin befriedigen kann. An jedem Berg sucht er verzweifelt nach einem Lift oder einem Shuttle. Doch egal wie weit man ihn am Berg distanzieren konnte, sobald es auch nur drei Höhenmeter bergab geht, ist der Typ wieder vor dir. Der muss irgendwo ein Loch im Raum-Zeit-Gefüge gefunden haben, anders kann ich es mir nicht erklären, wie dieser rollende Wahnsinnige immer wieder vor einem im Downhill ist. Zitat: „Lass mal da runterfahren!“, „Wo ist hier der Lift.“ und „Klar kann ich hier auch mit dem Hardtail runterspringen!“.

Der Naturbursche: Als Mountainbiker hat man eine besondere Beziehung zur Natur und Gottes Schöpfung. Daran ist ja auch grundsätzlich erstmal nichts Verwerfliches. Der Naturbursche übertreibt seine Lage aber wirklich komplett. Man hat mit ihm immer das Gefühl, dass der sich nur aufs Bike setzt, um an der erst besten Fichte den Moosbefall auf der Ostseite des Stamms zu kontrollieren. Teilweise mit Mikroskop und kleinem Labor bewaffnet sucht dieser Oköfuzzi nach seltenen Tierarten und sammelt Blätter und Blumen. Privat ist der Naturbursche selbstverständlich vegan unterwegs und verzichtet auf alle Konsumgüter. Vom Rasieren der Beine und anderen Körperregionen hat er dabei noch nie etwas gehört. Ich frage mich ob der Typ, sein Kette auch mit Leinsamenöl behandelt und seine Bremsen mit Wasser gefüllt hat. Wenn ihr so einen in der Gruppe habt, gilt höchste Vorsicht, denn der verlängert einen drei Stunden Ride durch seine biologische Doktorarbeit erheblich, was mal wieder zu einer langen Diskussion mit euren Frauen führen kann, warum man für drei Stunden Fahrzeit wieder sechs Stunden unterwegs war.

Der Bergfahrer: Das Gegenteil vom Downhiller ist ganz klar der Bergfahrer. Der trainiert nicht nach Zeit oder nach Strecke, sondern nach Höhenmetern. Eine Tour mit diesem Typen wird für die allermeisten zur Tort(o)ur. Bei dem gibt es zwei Höhenprofile: wellig oder flach. Wellig geht dabei ab 5000hm plus los, alles was weniger Höhenmeter hat ist flach. Nach Ansicht des Bergfahrers funktioniert richtiges Bergfahren auf unserem Planeten sowieso nicht, da der Mount Everest nicht mit dem Fahrrad befahrbar ist. In Europa fühlt sich dieser Typ generell unwohl. Der größte Alptraum des Bergfahrers ist allerdings unser Nachbarland – die Niederlande. Wenn ihr euch also dafür rächen wollt, dass euch der Bergfahrer mal wieder mit seiner „Wellig oder flach?“ – Mentalität in den Wahnsinn getrieben hat und ihr euch morgens nicht mal mehr aufs Klo hocken konntet, dann entführt ihn, setzt ihm einen Kartoffelsack auf den Kopf und bringt ihn samt Bike nach Den Helder an die Küste. Dat ist die einzige Möglichkeit diesem Dreckssack beizukommen…

Der fahrende Imbiss: Es gibt echt immer wieder Typen beim Radfahren, die gibbet gar nicht. Der fahrende Imbiss ist so einer. Da bist du gerade mal für ne viertel Stunde unterwegs, guckst vielleicht ein bisschen verträumt von rechts nach links, bis du auf einmal ein fettes Schmatzen neben dir hörst und denkst, dass dich gerade ein Pferd am überholen ist. Du hast dich beim Treffen mit diesem McBike schon gewundert warum der die Trikottaschen voll hat und zusätzlich noch Rucksack und Satteltasche montiert hat? Jetzt weißt du es: Dieser Obelix des Radfahrens hat mehr Snacks dabei als der Kiosk umme Ecke. Nach 5 km zaubert er den ersten Energy-Riegel aus seiner Trikottasche und erzählt dir dann irgendwelche Märchen von erhöhter Fettverbrennung, dass er noch nicht gefrühstückt hat und so ner Kacke. Der Typ fährt eigentlich nur Fahrrad, weil der sonst einfach platzen würde. In seinem Rucksack hat er je nach Länge der Tour einen Gaskocher mit den guten alten Maggi-Ravioli oder gleich einen Grill inklusive 6 kg Fleisch von der Frischetheke dabei. Mit dem Zeug, was der alles mitschleppt, könnte man eine vierköpfige Durchschnittsfamilie ne halbe Woche lang von morgens bis abends ernähren. Doch dat Beste ist: Wenn man dann nach 100 km oder nach 5 km, wenn man einen Coffeeracer (siehe Teil 1) dabeihat, einen Stopp im Café macht, ist dieser Typ mit dem chronischen Hungerast doch tatsächlich der einzige, der sich ein Stückchen Kuchen dazu bestellt. Immerhin bietet er dir dann zu deinem Kaffee häufig auch seine selbstgemachten Kekse und eins von seinen berühmten Club-Sandwiches an. Aber trotzdem, eine Tour mit dem Kerl ist wirklich nichts für Leute mit Diabetis….

Der Zehrer: Wieder das genaue Gegenteil ist der Zehrer. Mit dem kannst du dich zu einem Ride von Essen bis München verabreden und der Typ bringt trotzdem nur eine Flasche und kein Cent Bargeld mit. Der glaubt doch tatsächlich Hunger wäre eine Erfindung aus der Werbung und somit Fake-News der Lebensmittelindustrie. Häufig kann sich der Zehrer an die letzten zwei Stunden seiner Touren nicht mehr erinnern, weil sein Körper aufgrund des Nährstoffmangels schon anfängt Gehirnzellen zu verbrennen und dadurch das Kurzzeitgedächtnis auf Standby gestellt wird. Wenn man ihn dann fragt ob er noch was zu trinken oder gar einen Riegel braucht, dann wird man häufig angemault, dass es ihm schon gut gehe und er schon weiß wie sein Körper tickt. Mit dem Zehrer ist was Essen angeht wirklich nicht zu spaßen und gerade im letzten Teil der Tour höchste Vorsicht angebracht. Zitat: „Für mich ein Wasser bitte…“

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