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Meine Saison 2018 – wie man in 339 Minuten ein ganzes Jahr verändern kann

Wenn man vier meiner insgesamt über 40 Renntage in der Saison 2018 streichen würde, dann würde ich euch hier davon berichten, wie schwierig es nach einer Sprunggelenksverletzung im Mai war wieder zurückzukommen und, dass mir diese Aufgabe einfach nicht gelingen wollte. Ich würde davon berichten, wie ich Woche für Woche bei den größten Rennen der Welt nur Zuschauer oder allenfalls Statist im Spiel der großen Fahrer war. Ohne diese vier Rennen gäbe es wohl Leute, die meinen, ich könnte meine Leistung und meine Werte nur im Training zeigen oder würde dem Druck nicht standhalten. Ohne diese vier Rennen, wäre meine Ausgangsposition für 2019 um ein vielfaches schlechter. Wie gut, dass diese Rennen nicht ausgefallen sind, sondern genauso stattfanden, wie sie stattgefunden haben. Ich spreche von diesen 339 Minuten: Deutsche Meisterschaft Cyclocross 4.Platz (60 Minuten), Deutsche Meisterschaft XCO Bronzemedaille (93 Minuten), Europameisterschaft XCO (94 Minuten) Platz 15 und Weltmeisterschaft XCO Platz 30 + bester Deutscher (92 Minuten).

 

Enttäuschende Weltcup-Saison

Ich will damit nicht sagen, dass meine Saison neben diesen vier Rennen schlecht war und ich nur Grütze gefahren bin, allerdings fehlen mir durch meine Knöchelverletzung im Mai und die Schienbeinsverletzung im Juni nahezu alle Weltcups bis auf Stellenbosch im März und La Bresse im August. Ersteren habe ich klassisch verkackt und bei letzterem fuhr ich mir einen Kilometer vor dem Ziel in den Top 25 liegend einen Platten. Platz 36 war nichtsdestotrotz mein zweitbestes Weltcupergebnis, dennoch war meine Weltcupsaison einfach enttäuschend. Zwar habe ich mich nach einem Bänderriss in Albstadt wieder zurückgekämpft und war dank der physiotherapeutischen Unterstützung durch Torsten Walter und Rainer Petrat in Rekordzeit wieder fit.

Enttäuscht und verletzt im Mai

Dennoch wollte ich in diesem, meinem zweiten Elite-Jahr andere Weltcupergebnisse fahren als Platz 61 in Stellenbosch, DNS, DNS, DNF, DNS, DNS und Platz 36. Aber das könnt ihr euch sicher auch denken.

 

 

Bei den Meisterschaften klappt´s

Umso besser für mich, dass die 339 Minuten der Meisterschaften anders verliefen. Dabei war bei Weitem nicht alles optimal und ich habe in jedem Rennen außer der Cross-DM eine Menge Fehler gemacht. Der Unterschied zum Weltcup bestand darin, dass ich einerseits überhaupt am Start stand bzw. nicht auf irgendeiner Physioliege lag und andererseits Ergebnisse einfahren konnte, die meiner Leistungsfähigkeit entsprachen und mich einen großen Schritt näher in Richtung Olympia 2020 brachten.

Der Gewinn der Bronzemedaille bei der deutschen Meisterschaft im Juli, Foto: Ego-Promotion

Vor allem in den internationalen Meisterschaften war es aufgrund der Startposition ein harter Kampf aus dem hinteren Teil des Feldes. Beide Male konnte ich nach schlechtem Start durch Rundenzeiten auf Top 8 bzw. Top 15-Niveau so weit wie es möglich war nach vorne fahren. Top 15 und Top 30 bei den beiden größten Rennen des Jahres belegen, dass ich trotz einer „Pleiten, Pech und Pannen“ – Saison zu den besten 30 Fahrern der Welt gehöre. Das macht mich stolz!

Eine Lanze für den Mountainbikesport

Stolz macht mich auch zu sehen wie groß der Support der Community in diesem Jahr war. Damit meine ich nicht nur die überragende Unterstützung von all meinen Sponsoren, denen ich wie immer auch noch ein paar Zeilen des Danks widmen werde, sondern vor allem auch die unglaubliche Stimmung der Fans auf den Rennen und die Rückendeckung von euch allen, die ihr hier immer fleißig mitlest.

Bei der Weltmeisterschaft in Lenzerheide feuerten uns fast 30.000 Zuschauer an, Foto Ego-Promotion

Bei der WM feuerten uns fast 30.000 Zuschauer über 92 Minuten an – wie geil ist das denn bitte? Bei der DM lieferten Mani, Georg und ich eins der spannendsten Rennen der Geschichte und finishten alle innerhalb von 3,6 Sekunden – wie geil war das denn bitte? Bei den European Games durften wir Fahrer schonmal ein bisschen Olympia-Flair genießen und kamen live im ZDF – wie geil war das denn bitte? Das Epic Israel lief mit einer Übertragung a la Tour de France live im israelischen Fernsehen – wie geil ist das denn bitte? Deswegen möchte ich jetzt nochmal eine Lanze für den XCO-Sport brechen. Unser Format wird Jahr für Jahr besser angenommen und von immer mehr Menschen verfolgt. Die Begeisterung für diesen geilen Sport ist ungebrochen. Ich hoffe, dass wir medial auch in Deutschland in den nächsten Jahren den nächsten Schritt machen können! Dafür brauchen wir alle begeisterten Biker, die sich auch 2019 weiter fleißig für den Rennsport begeistern!  DANKE, dass es euch gibt! Wir Fahrer werden auch im nächsten Jahr versuchen, eine geile Show zu bieten!

 

Ich danke all meinen Sponsoren, allen voran der Firma Bergamont. Ohne euren Support wäre ich niemals so weit gekommen und hätte diese fantastischen 339 Minuten niemals erlebt. Auch in schwierigen Phasen stärkt ihr mir immer den Rücken und sorgt dafür, dass ich nie die Motivation verliere. Die Werte von St. Pauli und die des Ruhrgebiets sind die gleichen und genau dafür stehen wir beide zusammen: Tradition, harte Arbeit, Blut, Schweiß und am Ende eine gute sowie erfolgreiche Show. Daran wird sich auch im nächsten Jahr nichts ändern!

 

Danke für 2018 und die 339 Minuten

 

Vollgas beim Weltcup in Stellenbosch

 

Danke an meine Familie und meine Freunde, dass ihr mich immer bedingungslos unterstützt, damit klarkommt, dass ich nicht immer bester Laune bin, besonders, wenn es mal nicht läuft, dass ihr eure Leben häufig zurückstellt, um mein Leben zu ermöglichen, und dass ihr mich auf meinem Weg seit Jahren begleitet. Ich hoffe sehr, dass sich auch daran in 2019 nichts ändern wird, und wir viele tolle Momente gemeinsam erleben werden.

 

Danke an mein gesamtes Trainerteam: Hansjörg Zwiehoff, Bernhard Mollenhauer, Oliver Fuhrmann sowie die beiden Bundestrainer Peter Schaupp und Marc Schäfer. Das Training sowie die Analyse des Trainings sind die wichtigsten Bestandteile meines Alltags und ein großer Baustein des Erfolgs im Wettkampf!

Ein besonderer Dank geht in diesem Jahr an meine beiden Physiotherapeuten Torsten Walter und Rainer Petrat, die mich während meiner beiden Verletzungen optimal betreut haben. Ich saß um ein Vielfaches schneller wieder auf meinem Bergamont-Bike, weil ihr mit euren heilenden Händen mein linkes Bein behandelt habt!

 

Das Jahr 2018 ging gefühlsmäßig schneller rum als alle anderen Jahre, obwohl oder gerade weil der Rennkalender so prall gefüllt war. Die MTB-Saison ging bereits Ende Januar los und dauerte bis Anfang Oktober an. Jetzt isset auch erstmal jut. Bis Anfang November bin ich raus und danach geht´s mit harter Arbeit weiter in Richtung meines großen Ziels – Olympia 2020 in Tokio.

Liebe Grüße,

Ben

 

 

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