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Meine Achterbahn 2014 / Saisonfazit

2014 beendete ich die Saison traditionell am 3. Oktober mit meinem „Heimrennen“ im Ruhrpark in Oberhausen. Dort war ich zum ersten Mal in meiner Karriere bei einem Rennen nicht nur auf dem Rad aktiv, sondern auch neben der Strecke als Moderator. Diese Tätigkeit zeigte mir, dass die Arbeit neben der Strecke oft sogar noch viel wichtiger ist, als die „Arbeit“ auf der Rennstrecke. Ohne die zahlreichen ehrenamtlichen Helfer bei den Rennen könnte unser Sport nicht funktionieren. Wir Sportler müssen diesen Menschen, die ihre Zeit opfern, damit wir unseren Sport ausüben können, sehr dankbar sein. Daher danke ich an dieser Stelle all denjenigen, die schon einmal bei einem Rennen geholfen und irgendwie mitgewirkt haben. Danke aber auch an alle Breitensportler, ohne die es die Spitze nicht geben würde und an die ehrenamtlich Engagierten in den Vereinen und Verbänden die unsere schöne Sportart mit Enthusiasmus und Freude am Leben erhalten.

Nun zu meinem persönlichen Saisonfazit:

Nach einem –zum Glück- krankheits- und verletzungsfreien Wintertraining, war die Deutsche Meisterschaft im Cross im Januar, bei der ich ohne spezielle Vorbereitung den 5. Platz erreichte, schon ein erster Fingerzeig, dass die Entwicklung in die richtige Richtung geht. Neben weiteren Cross-Rennen waren es vor allem die Trainingslager mit der Nationalmannschaft, die mir nicht nur unendlich viel Spaß gemacht haben, sondern mir auch sportlich einen „Kick“ gegeben haben. Unser Bundestrainer Peter „Speedy“ Schaupp hat die Trainingslager so organisiert, dass wir U23-Fahrer immer auch die Möglichkeit bekamen, mit den Top-Profis wie Moritz Milatz, Simon Stiebjahn oder Markus Bauer trainieren zu können. Dies zog sich wie ein roter Faden durch die Grundlagenkilometer auf Mallorca und die bergigen Touren auf Gran Canaria. Dieses harte aber zielführende Wintertraining war ich zu Beginn der Saison so fit und selbstbewusst wie nie. Die ersten Ergebnisse (U23-Bundesliga 4. Platz und bester Deutscher in Saalhausen / 20. Platz und erneut bester Deutscher beim Weltcupauftakt in Nove Mesto) bestätigten mein gute Gefühl.

Durch diese Ergebnisse qualifizierte ich mich nicht nur für die Europameisterschaft, sondern empfahl mich außerdem auch noch für das Staffel-Rennen in Sankt Wendel. Dass wir (Helen Grobert, Tobias Eise, Moritz Milatz und ich) dann ein echtes Team waren, bewiesen wir eindrucksvoll mit dem Gewinn der Silbermedaille. Vizeeuropameister!!! Wie geil ist das denn? Am nächsten Tag gelang mir dann noch ein nahezu perfektes Rennen. Nach einem der härtesten Wettkampftage meines Lebens kämpfte ich mich auf den 8. Platz im U23- Rennen der EM und hatte so bereits im ersten Saisondrittel die Qualifikation für die Weltmeisterschaft in der Tasche.

Es war bis dahin eine Saison voller Highlights und mit der Gewissheit vieles richtig gemacht zu haben.

Nach der Europameisterschaft setzte ich alles auf die Deutsche Meisterschaft. Unbedingt wollte ich den Fluch der DM, der mir bislang immer anheftete, überwinden und zum ersten Mal in meiner Karriere Deutscher Meister werden. Top motiviert absolvierte ich knüppelharte Intervalltrainingseinheiten, bis ich die Form in jedem Muskel meines Körpers spürte. Auch die Strecke in Hausach lag mir perfekt. Ich war bereit wie noch nie, den Kampf um den Meistertitel für mich zu entscheiden. Doch neben einem Körper in Topform ist auch etwas Glück erforderlich und der Fluch der DM erwischte mich auch in diesem Jahr. Gleich bei meiner ersten Attacke riss meine Kette, ein irreparabler Defekt, Schluss, Aus, vorbei. Eigentlich noch bevor das Rennen richtig begonnen hatte, bekam ich zu spüren, dass Freud (EM) und Leid (DM) manchmal sehr nahe beieinander liegen.

Und als ob das Schicksal noch einmal zeigen wollte, wie launisch es mit mir umgeht, gewann ich nur eine Woche später das erste Mal in meiner Karriere ein Bundesligarennen im rheinland-pfälzischen Schopp. Mein anschließender kurzer Ausflug zum Straßenrennen war ebenfalls erfolgreich; bei den Deutschen Bergmeisterschaften am historischen Obersalzberg belegte ich in den Farben des Rose-NRW-Teams den 5. Platz und dass, obwohl ich aus Zeitgründen vorher nicht einmal die Strecke besichtigen konnte. Mein Dank gilt Landestrainer, Wolfgang Oschwald und dem ganzen Team, das mich hervorragend aufgenommen und betreut hat.

Wie gesagt: Launisch ist das Schicksal und so war eigentlich schon fast sicher, dass es noch eine weitere Abfahrt auf der Saisonachterbahn 2014 geben würde. Eigentlich sollte es der nächste Höhepunkt werden; das Saisonhighlight: Die Weltmeisterschaft im norwegischen Hafjell.

Zur Vorbereitung bestritt ich die Vaude Trans Schwarzwald, ein 5-tägiges Etappenrennen mit über 600 km Länge und mehr als 10.000 Höhenmetern. Bei meinem ersten Mehr-Tages-Rennen lernte ich viel, vor allem, dass auch bei solchen Extremveranstaltungen Höhen und Tiefen dicht beieinander liegen. Nach zwei überaus erfolgreichen ersten Tagen bei teilweise extremen Wetterbedingungen mit Regen und Kälte reagierte mein Körper mit Bauchschmerzen und Durchfall die ungewohnte Belastung. Dies führt dazu, dass ich an Tag 3 und Tag 4 meine Leistung zurücknehmen musste. Mehr als einmal musste ich alle Willenskraft aufbringen, um überhaupt in der Wertung zu bleiben. Die Finaletappe entschädigte mich dann wieder. Platz 5 unter den Top-Marathon-Fahrern und damit Platz 11 in der Gesamtwertung bedeuteten einen versöhnlichen Abschluss und wichtige 21 Punkte für die Weltrangliste.

Die Trans-Schwarzwald war als hartes Training für die WM gedacht und meine Leistung dort machte mir große Hoffnung, auch in Hafjell mit absoluter Topform am Start zu stehen. Leider fehlte mir aber auch diesmal das nötige Quäntchen Glück. Ein Trainingssturz nur einen Tag vor dem Abflug nach Hafjell und eine damit verbundene Schleimbeutelverletzung im Knie machten meine Träume auf eine Weltmeisterschaft zunichte.
Wieder ein heftiger Rückschlag und jeder Sportler weiß, wie bitter sich das anfühlt, wenn der Arzt Dir so kurz vorher die Ampel auf Rot stellt. Zahlreichen Unterstützungsbekundungen und die Aufmunterung aus meinem direkten Umfeld, halfen mir aber schnell über diesen erneuten Rückschlag hinweg. Allen Freunden, meinen Eltern und vor allem meiner Freundin danke ich für diesen tollen Zuspruch, den ich nach meiner Verletzung erfahren habe.
Und –ihr könnt es schon ahnen- nur eine Woche nach der verpassten WM gewann ich den Finallauf des NRW-Cups in der Eilteklasse und auch mein Heimrennen im Oberhausener Ruhrpark.

Auf und Ab eben, es bleibt mir nichts anderes übrig, als das zu akzeptieren. Mit dem nötigen Abstand zu all den Ereignissen, ist mir heute klar, dass ich trotzdem auf die erfolgreichste Saison meiner bisherigen Radsport-Karriere zurückblicken kann. Auch wenn nicht alles so verlaufen ist, wie ich mir das vorher gewünscht hätte, bin ich stolz auf meine Leistungen und auf meine sportliche Entwicklung. Dies gilt genauso auch für meine Ausbildung. „Neben“ dem Sport studiere ich im dritten Semester Jura und habe bisher alle Klausuren mit Erfolg bestanden. Mir ist es wichtig neben dem Sport ein zweites Standbein zu haben. Dies ist zwar teilweise mit großen zeitlichen Strapazen verbunden, macht mich allerdings in vielen Situationen unabhängiger und unempfindlicher gegen sportlichen Leistungsdruck von außen. Ich weiß, dass der Sport nicht alles ist und es auch ein Leben danach für mich geben wird. Daher bin ich unendlich dankbar über jeden Tag, an dem ich mein Hobby auf diesem professionellen Niveau ausüben darf.

Das „BonBon“ zum Abschluss der Saison ist, dass ich meinen Vertrag mit meinem langjährigen Ausrüster Bergamont um zwei weitere Jahre verlängert habe. Wie ein verlässlicher hanseatischer Kaufmann hat Bergamont in guten und schlechten Phasen meiner Karriere an meiner Seite gestanden, daher bin froh und stolz, dass wir diese erfolgreiche Zusammenarbeit auch in den Jahren 2015 und 2016 fortsetzen.

Neben Bergamont gibt es weitere wichtige Partner, ohne die ich nicht so erfolgreich wäre. Häufig sind es die Kleinigkeiten, die großen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit haben. Ich bedanke mich bei Gebiomized aus Münster für das regelmäßige Bikefitting und die maßangefertigten Sättel.

Danke auch an das Team vom Olympiastützpunkt Rhein Ruhr für die Unterstützung bei meiner außersportlichen Karriere und an den Olympiastützpunkt Rheinland mit dem Trainer Robert Pawlowsky und Dr. Oliver Heine für die exzellente Betreuung und Beratung. Nicht unerwähnt bleiben darf auch mein Masseur, Rainer Petrat, der mich auch nach dem härtesten Wettkampf wieder hinbekommt.

Nun, da meine Saisonpause fast zu Ende ist, beginnt für mich das Training für die Saison 2015. Drückt mir die Daumen, dass ich ohne wesentlichen Krankheiten und Verletzungen über den Winter komme. Eine tolle Motivation habe ich dafür schon bekommen: Bei unserer alljährlichen Planungsrunde erfuhr ich vom Bundestrainer, dass für 2015 in den B-Kader aufsteige. Dies ist natürlich noch ein zusätzlicher Ansporn, meinen Weg genauso fortzusetzen und weiter hart zu arbeiten.

Bis dahin,

Euer Ben

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