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Kur fürs Knie in Bad Salzdetfurth?

Nachdem ich bei der WM aufgrund meines Trainingssturzes leider nicht dabei sein konnte, wollte ich zumindest meine Top 5 Platzierung in der Bundesliga Gesamtwertung verteidigen.  Vor dem Hintergrund, dass ich durch meine Knieverletzung gerade einmal vier vernünftige Trainingstage vor dem Rennen in Bad Salzdetfurth hatte, war ich mir allerdings nicht sicher, ob das klappen würde.

Das Wichtigste vorweg: Meinem Knie geht es auch nach den Rennen am vergangenen Wochenende gut. Auch wenn ich unverändert das Gefühl habe, erst zu 90% wieder hergestellt zu sein. Darüber bin ich sehr erleichtert, denn In der Woche vor Bad Salzetfurth, als ich die ersten Male nach dem Sturz wieder in die Pedale getreten habe, waren meine Schmerzen noch recht groß.

Daher begeleitete mich ich auch ein großes Gefühl der Unsicherheit, als ich am Freitag  nach Bad Salzdetfurth anreiste. Unsicherheit, ob mein Knie überhaupt schon die Belastung eines 90 minütigen XCO- Rennens aushalten würde, Unsicherheit aber auch, ob meine gute WM-Form die Zeit der Zwangspause überstanden haben würde.

Um dieser Unsicherheit ein wenig entgegen zu wirken, entschied ich mich für einen Start im XC-Eliminator Wettbewerb am Samstag. Weniger in der Hoffnung auf eine Top 16 Platzierung und die damit verbundenen wichtigen Punkte für die Bundesliga-Gesamtwertung, sondern um den ultimativen Härtetest für das Knie zu haben. Diesen Zweck hat der Sprint für mich voll erfüllt. Ich landete zwar nur auf dem 28. Platz, dafür war ich mir aber relativ sicher, dass mein Knie auch am nächsten Tag im Cross-Country-Rennen keine größeren Probleme machen sollte.

Sonntag stand dann das XCO-Bundesligafinale auf dem Programm. Nach meinem Sieg bei der Bundesliga in Schopp, hatte ich natürlich, auch trotz der Knieverletzung, die Ambition vorne mitzufahren. Dadurch, dass Bad Salzdetfurth in diesem Jahr zum ersten Mal den Status HC (Hors Class; nach dem Weltcup die zweit höchste Kategorie des Radsportweltverbands UCI) erhalten hat, waren zahlreiche internationale U23-Fahrer am Start. Darunter waren u.a. auch der Weltmeister Michiel van der Heiden aus den Niederlanden sowie der EM-Dritte Bart de Vocht aus Belgien. Es erwartete uns ein hochklassiges und vor allem ein schnelles Rennen. Trotzdem wollte ich unbedingt auch nochmal allen zeigen, dass ich bei der WM in Topform gewesen wäre. Als um 12:15 Uhr dann der Startschuss fiel, zögerte ich auch nicht lange und setzte mich direkt an die dritte Position. Das Tempo in der ersten Runde war enorm hoch und dennoch hatte ich das Gefühl, dass ich gut mithalten konnte. Es entstand zunächst eine ca. 8 köpfige Gruppe. Diese hielt aber nur eine halbe Runde bis die Spitze das Tempo erneut verschärfte. Mein Nationalmannschaftskollege Georg Egger und ich sortierten uns  in der Verfolgergruppe ein und versuchten von den Plätzen Sieben und Acht weiter nach vorne zu fahren. Dies gelang uns bis zur fünften von insgesamt Sieben zu absolvierenden Runden auch sehr gut. Ich lag zwei Runden vor Schluss auf dem 4. Rang und wusste natürlich auch, dass dieser Platz sogar für den Bundesligagesamtsieg reichen würde. Deshalb setzte ich am steilsten Stück der konditionell höchst anspruchsvollen Strecke alles auf eine Karte und attackierte. Leider wollte mein Rücken, anders als meine Beine, die sich noch sehr gut anfühlten, die noch höhere Belastung nicht mehr mitmachen. Er reagierte mit heftigen Schmerzen auf den Versuch noch mehr Druck zu machen und ich musste vom Gas gehen, wollte ich das Rennen nicht vorzeitig beenden müssen.

So verlor ich in den letzten beiden Runden leider noch 5 Plätze; trotzdem finishte ich als drittbester Deutscher auf einem für diese Umstände hervorragenden 9. Platz und das bei einem stark besetzten HC-Rennen.  Dafür, dass für mich eine Woche zuvor nicht einmal an Fahrradfahren zu denken war, bin ich mit diesem Ergebnis höchst zufrieden und hoffe, dass ich an diese guten Eindrücke im nächsten Jahr anknüpfen kann.

In der Bundesliga-Gesamtwertung bedeutete dies am Ende statt des insgeheim noch erträumten Gesamtsieges leider nur den 5. Platz.  Dies zeigt auch wie hoch die Leistungsdichte in diesem Jahr war. Nicht einmal 20 Punkte trennten mich am Ende auf Platz 5 vom Gesamtsieger. Trotzdem bin ich glücklich, bei der starken Besetzung so weit vorne dabei zu sein.

Ich genieße jetzt erst ein Mal die freie Zeit und werde spontan entscheiden, ob ich noch die letzten beiden NRW-Cups in Pracht und in Remscheid fahre.
Ich bedanke mich an dieser Stelle schon einmal recht herzlich bei allen Sponsoren und Betreuern und besonders bei meinen Eltern, die mich in dieser Saison so hervorragend unterstützt haben und vor allem in den schwierigen Phasen für mich da waren.

Ein ausführlicher Saisonrückblick wird in den nächsten Wochen folgen. Eins weiß ich aber jetzt schon, für nächstes Jahr möchte ich in den entscheidenden Phasen der Saison etwas mehr Glück haben…

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