AllgemeinXCO

Europa kann ich (Teil 2) / Platz 4 bei der EM

Nach dem hervorragenden Start mit Bronze im Teamrelay der Europameisterschaft in Schweden ging es für mich 3 Tage später mit dem Einzelrennen bei der Europameisterschaft in Schweden weiter. Als ich vor dem Rennen gefragt wurde, wie meine Erwartungen seien, war ich vorsichtig optimistisch und sprach von einer Rolle „im erweiterten Favoritenkreis.“

Ohne meine langwierige Grippeerkrankung, die mich fast den gesamten März das Training kostete, wäre diese Ansage wohl noch offensiver ausgefallen. Die Fortschritte, die ich im Winter in Südafrika gemacht hatte, waren sehr groß und ohne die “Sch….”-Krankheit hätte ich mir auch zugetraut in den Kampf um eine Medaille einzugreifen. Selbstvertrauen gab mir die Rundenzeit vom Staffelrennen. Hier hatte ich ja bewiesen, dass ich mit den Besten der Welt in der Eliteklasse mithalten kann. Über die taktische Ausrichtung habe ich dann lange mit Bundestrainer, “Speedy” Schaupp gesprochen. Startposition 21, also nicht unbedingt vorne, da braucht es auf jeden Fall einen Superstart, um nicht gleich am Anfang den Zug schon zu verpassen. Und dann? Verhalten oder “all in”? Die Strecke  mit ihren zahlreichen Anstiegen und vielen Höhenmetern sollte mir als ausgewiesenem Kletterkünstler liegen. Einziger Unsicherheitsfaktor war, inwieweit  ich ein hohes Tempo schon wieder durchhalten kann. 21, Zwiehoff, Ben , Bergamont Factory Team, MTB Sportverein Steele, GERAm Ende unsere Analysen stand die Entscheidung, dass ich “all in” gehe. Also nicht nur am Start versuche weit nach vorne zu kommen, sondern anschließend auch von Anfang an ein hohes Tempo gehen sollte.Zwei Möglichkeiten gab es; wenn alles glatt geht, lande ich sehr weit vorne; wenn ich “eingehen” sollte, hatte ich auf jeden Fall ein sehr gutes und hartes Tempotraining absolviert, das mir für die weitere Saison nützen würde. Kurz vor 9:30 Uhr stand ich also mit rd. 70 anderen Fahrern am Start und wartete auf den Startschuss. Alle Konzentration galt einem sauberen Start, denn auf dem groben Schotter, der auf die Startgerade aufgebracht war, durfte man sich keinen Fehler erlauben.Zwiehoff Ein durchdrehendes Hinterrad wäre fatal und würde alle Hoffnungen schon zu Beginn des Rennens dämpfen. Selten war ich daher so fokussiert auf die ersten 15 Meter eines 27 km langen Rennens. Als der Startschuss fiel, klappte alles wie am Schnürchen; sauber in die Pedale, genau richtig dosierter Krafteinsatz, austariertes Gleichgewicht und dann war sie da: Die Lücke, auf die ich gehofft hatte und die die Fahrer in den beiden Startreihen vor mir nun aufmachten. Wie ein geölter Blitz nutzte ich den Vortrieb und hatte auf den ersten Metern bereits 14 (!) Plätze gut gemacht. Die verkürzte Startrunde verlief dann wie erwartet. An der Spitze fuhren zwei Franzosen aus der ersten Startreihe ein Mördertempo, so dass sie bereits nach wenigen Minuten die erste Lücke gerissen hatten. Dahinter versuchte ich Anschluss an die Plätze 3 – 6 zu bekommen. Gleich im ersten Anstieg zog ich an zwei weiteren Fahrern vorbei und ausgangs der ersten Runde lag ich auf Platz 5. Rückstand auf Platz 3, also Bronze, zu diesem Zeitpunkt rd. 25 Sekunden. In den beiden folgenden Runden hielt ich das Tempo konstant hoch und konnte mich so sogar auf Platz 4 vorschieben. Unsere Betreuer, die rund um die Strecke verteilt waren, teilten mir laufend den Abstand nach vorne mit, der sich nicht grundlegend veränderte. Wenn ich also eine Medaille wollte, musste ich jetzt angreifen. Gar nicht so leicht, wenn man ohnehin bereits das Gefühl hat, dass das Rennen zu steil und zu lang ist.Zwiehoff Ich biss auf die Zähne und startete in der vierten Runde den Angriff. Ich kam zwar deutlich näher an den Dritten, den Schweizer Marcel Guerrini, heran, der kürzeste Abstand am höchsten Punkt der Strecke betrug aber immer noch rd. 15 Sekunden. Gleichzeitig wurde mir klar, dass ich dieses Tempo nicht noch zwei weitere Runden “überleben” würde und möglicherweise Gefahr lief, auch die tolle Platzierung, die ich bereits erreicht hatte, wieder zu verlieren. In diesem Moment muss Du als Sportler auch vernünftig sein; einerseits bedeutet Platz 4 die undankbare “Holzmedaille”, andererseits ist es die beste Platzierung, die ich bei einer EM bisher erreicht habe. Ich konzentrierte mich also darauf, den Vorsprung auf eine 4er-Gruppe, der zu diesem Zeitpunkt rd. 1 Minute betrug, zu halten und fuhr -ohne grosse Risiken einzugehen- das Rennen sicher auf Platz 4 zu Ende. Ich war froh auf diesem brutalen Kurs ein gutes Rennen gezeigt zu haben und damit noch mehr Selbstvertrauen getankt zu haben. ZwiehoffOb ich ohne die Krankheit in der entscheidenden Phase um eine Medaille hätte fahren können?  Oder sogar mehr? Ich denke schon, dass es möglich gewesen  wäre. So bleibt mir auf jeden Fall die Bronzemedaille aus dem Staffelrennen und die Gewißheit, dass ich die Distanz drauf habe. Ich habe jetzt weitere zwei Wochen Zeit um mich perfekt auf unseren “Heimweltcup” in Albstadt vorzubereiten. Wenn dort, auf einer Strecke, die mir ebenfalls liegt, alles passt, kann ich vieleicht vor heimischem Publikum für eine Überraschung sorgen. Im Moment jedenfalls bilden mein Bergamont Revox Team und mein Körper eine perfekte Symbiose, mit der ich mehr als zufrieden bin. ZwiehoffVielen Dank an dieser Stelle an alle Trainer und Betreuer des Bund Deutscher Radfahrer und der Führung von “Speedy” Schaupp. Es war eine tolle Zeit in Schweden, die nicht nur erfolgreich war sondern auch viel Spaß gemacht hat.

 

 

Alle weiteren Bilder (Copyright: EgoPromotion):

 

, , , , , , , , , , , ,
Vorheriger Beitrag
Europa kann ich (Teil 1) / Bronze mit der Staffel
Nächster Beitrag
Mit neuer Brille auf Platz 4 in Dänemark

Ähnliche Beiträge

Menü