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Europa kann ich (Teil 1) / Bronze mit der Staffel

Schweden See SonneAls ich in der feuchten Hitze Australiens von unserem Bundestrainer, Speedy Schaupp erfuhr, dass ich bei der Europameisterschaft in Schweden dabei bin, habe ich als erstes die Wetterprognose gecheckt. 4 Grad, Regen, Schnee so war der mittelfristige Trend. Kontrastprogramm also. Zum Glück hatte die Prognose nicht Recht und der Trend änderte sich. Und so erwischten wir eine der schönsten Wochen, die der schwedische Sommer zu bieten hat. Blauer Himmel, Sonne pur nur gut gelaunte Menschen, die sich auch noch in Massen für den MTB-Sport begeisterten, wirklich klasse. Dazu hatten die Organisatoren direkt an einem malerischen See in Huskvarna eine der besten Rennstrecken hingezaubert, die ich bislang gesehen habe (vgl. Bericht acrossthecountry.net).  Vier “herrliche” Tage in der schwedischen Sonne lagen also vor uns… Wobei herrlich nur für das Wetter, die Strecke und das Umfeld galt. Die Belastung, die die Strecke uns Fahrern abverlangte, war nämlich richtig heftig. Gleich drei knackige Anstiege, die sich auf insgesamt 200 Höhenmeter pro 4,1 km-Runde summierten, flössten uns allen Respekt ein. Dazu schnelle und technische Abfahrten, in denen hohe Konzentration gefragt war und in denen jeder Fehler entscheidend sein konnte. Alles in allem also hart, aber für jemanden wie mich, der lange, steile Rampen mag, gar nicht schlecht.

Schlecht schienen aber die ersten Nachrichten aus dem deutschen Lager zu sein. Die Staffel, die am Donnerstag abend ausgetragen wurde, musste aufgrund von Krankheit und kurzfristiger Absagen gleich zweimal geändert werden. Am Ende stand die Entscheidung, statt mit einem Elitefahrer, einem U23er, einem Junior und Sabine Spitz auf der Frauenposition gleich mit zwei U23-Fahrern, nämlich Georg Egger (Lexware Racing) und mir an den Start zu gehen. Dazu kam Niklas Schehl (Bulls) als Juniorenfahrer, der den krankheitsbedingt verhinderten Torben Drach vertrat. Wie schon 2014 als wir überraschend Vize-Europameister wurden, war auf dem Papier zunächst einmal nicht unbedingt mit einer vorderen Platzierung zu rechnen. Aber “unverhofft kommt oft”…

Warten auf den Wechsel

Bei meinen bisherigen Staffeleinsätzen war ich entweder Startfahrer gewesen oder auf Position zwei gestartet. Nunmehr kam ich als Schlussfahrer zum Einsatz und kann im Nachhinein festhalten, dass der Druck auf dieser Position noch höher ist. Georg Egger als Startfahrer gab alles und wechselte auf Rang 7 liegend auf Niklas Schehl. Für Niklas war es der erste Staffeleinsatz bei einer EM überhaupt, doch wer gedacht hatte, dass ihn das beeinflussen würde, lag falsch. Beherzt nahm er sein Herz in beide Hände und brachte uns bis auf Platz 4 und damit wieder in Schlagweite der Medaillen. Sabine Spitz, die bereits 30 internationale Medaillen auf ihrem Konto hatte, zeigte dann, warum sie eine solche Ausnahmefahrerin ist. Mit einer bravorösen Leistung holte sie zunächst die französische Ex-Weltmeisterin ein und ließ sich auch davon nicht aus der Ruhe bringen, dass die holländische Staffel eine etwas ungewöhnlich Aufstellung gewählt hatte. Unser Nachbarn setzten ihre Frau erst als Schlussfahrerin ein, so dass Zieleinlaufich beim Wechsel auf Platz 3 -vor uns lagen die favorisierten Schweizer und in Führung die Niederländer- sowohl nach vorne als auch nach hinten schauen musste.  Das Warten auf den Wechsel schien endlos,  doch aufgrund meiner Erfahrung aus den Vorjahren bin ich verhältnismäßig ruhig geblieben. Mit rd. 10 Sekunden Vorsprung auf den mehrfachen-Weltcup-Sieger Jordan Sarrou aus Frankreich und mit einem Rückstand von über einer Minute auf die niederländische Frau übernahm ich von Sabine. Mein erstes Ziel war es möglichst schnell die holländische Fahrerin einzuholen; Mitte der Runde passierte ich sie schließlich und es kam so etwas wie Erleichterung auf. Zugleich erfuhr ich von den deutschen Betreuern aber auch, dass der Franzose kaum näher gekommen war. Sollte es sogar zu Silber reichen? Ich gab alles; doch im Flachstück, das rund um den See auf den letzten Anstieg vor dem Ziel führte, spürte ich auf einmal den Atem von Sarrou im Nacken. OK; ruhig bleiben, sagte ich mir. Eine Chance hast Du noch; volle Attacke im letzten Anstieg. Doch der erfahrene Franzose hatte das vorhergesehen und zog das Tempo immer weiter an, so dass es unmöglich war, an ihm vorbei zu kommen. Dennoch ist es ein tolles Gefühl, auf einem Medaillenplatz ins Ziel zu fahren. Dass mir am Ende noch der Punch fehlt um einen so guten Fahrer wie Jordan Sarrou in Schach zu halten, ist nicht schlimm. Auf dieses Nivaeu zu kommen, ist mein Ziel und ich habe gesehen, dass ich auf eine Runde nicht weit davon entfernt bin. Danke an Sabine, Niklas und Georg, die alle wirklich ein hervorragendes Rennen gefahren sind. Wir haben einmal mehr gezeigt, dass es nicht unbedingt darauf ankommt, wer auf dem Papier die Favoritenrolle hat. Es hat mir unglaublich viel Spaß gemacht. Dass es am Ende Bronze geworden ist und nicht Silber ist zwar schade, weil es wirklich knapp zur Sache ging, aber immerhin habe ich jetzt meine Medaillensammlung nach Gold im Vorjahr und Silber 2014 komplettiert. Unsere deutsche Staffel hat somit zum dritten Mal in Folge seit 2014 eine Medaille bei Europameisterschaften gewonnen und ich war immer dabei.

Unser verdienter Lohn:

1a, Egger, Georg, Lexware Racing Team, MSC Wiesenbach, GER 1b, Schehl, Niklas, Bulls, RV Sport 1919 Queidersbach, GER 1c, Spitz, Sabine, Sabine Spitz Pro Team, , GER 1d, Zwiehoff, Ben , Bergamont Factory Team, MTB Sportverein Steele, GER

Weitere Bilder (alle copyright EgoPromotion):

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