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Erneut unter Europas Elite ! Platz 8 bei der EM

Nachdem ich gestern mit der Silbermedaille in der Team-Staffel den größten Erfolg meiner Karriere feiern konnte, ging es heute im U23-Rennen darum zu zeigen, wer die besten Fahrer Europas sind. Die Strecke in St. Wendel ist dabei anders als die meisten Cross-Country-Strecken der Welt. Mit einer Länge von fast 7 km und einem hohen Anteil von steilen Asphaltstraßen zählt sie zwar nicht zu den schwierigsten und abwechslungsreichsten, dafür braucht man aber nicht nur eine Bombenkondition sondern auch taktisches Geschick um vorne dabei zu sein. Meine Startposition 38 bedeute dabei schon einen echten Nachteil. Ich hatte nach der Erfahrung in der Staffel gestern überlegt, wie das Rennen wohl laufen würde und war mir relativ sicher, dass es kurz nach der Ausfahrt aus dem Stadion in St. Wendel an einem kurzen steilen Wiesenstück wohl den ersten Stau geben würde. Da es dann anschließend über 1 km auf Asphalt bergauf ging, war klar, dass ich diesen Stau unbedingt vermeiden muss, wenn ich vorne mit dabei sein möchte. Außerdem ging ich von einem Rennen aus, bei dem sich viele Gruppen bilden würden, da in den zahlreichen langen Flachpassagen wohl Windschattenfahren angesagt wäre. Es zeigte sich, dass ich Recht behielt.

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Direkt nach dem Start ging es mit Volldampf los, doch ich konnte versuchen, was ich wollte, ich machte kaum Plätze gut, da es sehr hektisch und eng im Feld zuging. An der Steilpassage am Wiesenstück hatte ich dann Riesenglück, da ich noch fahrend über die Kuppe kam, während kurz hinter mir eine Stau entstand und die Fahrer schieben mussten. Am anschließenden Berg drehte ich dann erstmals richtig am Gashahn und fuhr bis auf Position 4 im Feld vor. Ich wollte nicht riskieren, dass es vor mir eine Lücke gibt, denn Lückenschliessen kostet auf dem Kurs in St. Wendel viele Körner, die im Rennverlauf dann fehlen. Im zweiten Teil der Strecke einem Wurzeltrail, der durch den saarländischen Wald verlief und bei dem aufgrund der engen Kurven und der Wurzeln immer Sturzgefahr bestand, wurde es dann erstmals hektisch. Jeder Fahrer wollte als erster in diesen Abschnitt einfahren und so folgte eine Massensprint in Runde 1, der das Feld schon weit auseinander riss. Mit mir waren noch 7 weitere Fahrer vorne dabei, hinter uns war aufgrund eines Sturzes schon eine Lücke entstanden. Nach dem Waldstück ging es dann in die rasend  schnelle Abfahrt zurück Richtung Stadion. Mit über 70 km/h schossen wir über die staubtrockene Wiese und jeder war heilfroh, wenn er vor lauter Staub den richtigen Bremspunkt erwischte, um die nächste Kurve sauber fahren zu können. Im Stadion angekommen wurde es dann vom Tempo her ruhig. Wir hatten einen Vorsprung von rd. 20 Sekunden auf die nächste Gruppe herausgefahren und niemand wollte so richtig Führungsarbeit machen. Erst nachdem wir das Stadion wieder verlassen hatten und das zweite Mal in die Bergpassage gingen, zog das Tempo wieder an, ohne jedoch schon am Limit zu sein. Die Spannung in der Führungsgruppe war förmlich zu greifen. Jede Bewegung, jedes Schalten wurde registriert und führte unmittelbar zum Zucken bei den anderen Fahrern. Mittlerweile waren wir nur noch mit 8 Fahrern an der Spitze unterwegs, wobei mit mir in dieser Gruppe niemand gerechnet hatte. Ich nahm mir vor, alles zu tun um so lange wie möglich an “der Spitze Europas” zu bleiben. In den folgenden Runden wuchs unser Vorsprung auf das restliche Feld weiter an, einzig ein dänischer Nationalfahrer setzte in der vorletzten Runde alles auf eine Karte und kam bei der Einfahrt in die letzte Runde im Stadion an uns heran. Das Tempo war -wie in den Runden zuvor- dort eher niedrig und der Däne, der sich wohl in seiner Geschwindigkeit nicht mehr bremsen lassen wollte, schoss mit Überschallgeschwindigkeit an uns vorbei. Die Favoriten schauten sich kurz an und einen Moment hatte ich den Eindruck, dass niemand kontern wollte, doch dann reagierten die Favoriten aus Frankreich, Belgien und den Niederlanden. Eingangs des Asphaltanstieges hatten sie ihn wieder erreicht und jetzt zogen sie ihrerseits das Tempo an. Ich gab erneut alles, presste mit unvorstellbarer Anstrengung des Anstieg hinauf und lag an der Kuppe des Berges auf Platz 5. Ein Spanier verlor zu diesem Zeitpunkt den Anschluss, so dass es wieder 8 Führende waren, wobei die drei Ersten ihren Vorsprung immer mehr ausweiteten. Ich merkte wie die Kräfte schwanden; mit einer letzten Attacke gelang es  mir vor dem letzten Downhill eine kleine Lücke zu reissen und kurzfristig liebäugelte ich schon mit Platz 4. Die enorme Anstrengung verbunden mit der Hitze (wir hatten bei Rennstart 33 Grad im Schatten) kosteten jedoch so viel Kraft, dass mir in der Abfahrt Richtung Stadion die Konzentration fehlte. ein, zwei kleine Fahrfehler ließen die anderen Fahrer wieder herankommen und deren Antritten hatte ich leider nichts mehr entgegenzusetzen. Im Zielsprint belegte ich dann knapp hinter Julian Schelb, der als bester Deutscher auf Platz 7 einfuhr, den 8. Platz. Von Krämpfen in beiden geschüttelt, lag ich dann erst einmal minutenlang am Boden und konnte es kaum fassen. Platz 8 unter den besten Fahrern Europas. Gleichzeitig bedeutet dieses Hammerergebnis die Erfüllung der Qualifikationsnorm für die WM im September in Norwegen. Ich war total happy, schließlich war das Wochenende bei der Europameisterschaft in St. Wendel das erfolgreichste meiner Karriere.  So kann es weitergehen… Für mich stehen jetzt erst einmal ein paar Tage Ruhe an, bevor ich mich dann auf die Deutsche Meisterschaft in Hausach vorbereiten werde. Allen, die mich unterstützt haben danke ich sehr. In erster Linie sind dies das Team vom Bund Deutscher Radfahrer mit dem Bundestrainer “Speedy” Schaupp an der Spitze, meine Ausrüster Bergamont, Gebiomized und Sponser und natürlich meine Freunde und Fans, angeführt von meinen Eltern. Danke für die Unterstützung, ohne Euch wären diese Erfolge nicht möglich gewesen.

Bilder aus St. Wendel (Danke an Alfons Benz!) gibt es hier: <LINK>

 

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