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Einen Weltcup fährt man nicht mal eben so – die Vorbereitung auf Albstadt und Nove Mesto

Hallo liebe Leute,

die MTB-Saison hat so langsam richtig Fahrt aufgenommen. Es liegt ein spannendes Frühjahr mit vielen Trainingskilometern, dem Optimieren der kleinen Stellschrauben, hunderten Litern Schweiß, zum Glück wenig bis gar keinem Blut, nur einem einzigen kleinen Infekt und bereits einigen Podestplätzen hinter mir. Aber alles der Reihe nach.

Nach meinem achten Platz beim “Mini-Weltcup” in Banyoles, wo ich auf einer für mich nicht optimalen Strecke mit den Weltbesten mithalten konnte und starker Achter wurde, arbeitete ich mit der Nationalmannschaft auf Gran Canaria an der bis dato noch gar nicht trainierten Intensität. Auf der Insel der unendlichen Berge fuhren wir insgesamt dreimal den Mount Everest hinauf und spulten unzählige Intervalle ab. Dank der Unterstützung des Bund Deutscher Radfahrer konnten wir bei optimalen Wetterbedingungen trainieren, während zuhause in Deutschland gerade mal wieder ein kleiner Wintereinbruch herrschte.

Die darauffolgende Ruhewoche konnte ich nutzen, um mich mental wie geistig auf die kommenden Aufgaben einzustellen: HC Rennen Marseille, C1 Rennen Beringen, C1 Rennen Saalhausen und dann der super wichtige Block aus HC Heubach, Worldcup Albstadt und Worldcup Nove Mesto.

Der gesamte Winter verlief für mich nahezu optimal. Bis auf ein kleines Wehwehchen in der Oberschenkelmuskulatur im Januar, habe ich meinen Plan perfekt durchziehen können. Das war etwas, was mir bis dato noch nie gelungen war. Gerade in einer Sportart wie der unseren, ist es nicht ungewöhnlich, dass man sich ab und an mal einen Infekt holt, oder vielleicht auch mal stürzt, so dass ich wirklich sehr glücklich darüber war, wie es diesen Winter gelaufen ist. Ich habe tatsächlich das Gefühl, dass mein Körper nun endgültig an die harte Belastung des Profialltags gewöhnt ist. Das fühlt sich echt cool an!

 

Ganz ohne Infekt geht’s wohl doch nicht

Für das HC Rennen in Marseille hatte ich mir ähnlich wie in Banyoles einiges vorgenommen. Schöne Strecke und schönes Wetter sorgten für eine große Vorfreude bei mir. Leider habe ich nach meiner Ruhewoche ein wenig gekränkelt. Ein für mich harmloser Schnupfen, stellte sich im Nachhinein als Nebenhöhlenentzündung heraus und sorgte dafür, dass ich mich vor und nach Marseille nicht optimal vorbereiten konnte. Beim Rennen selber riss zur Rennhälfte auch noch mein Schaltzug, was letztendlich einfach ein bisschen zu viel des Schlechten war und mich zum aufgeben zwang. DNF – did not finish, das was kein Sportler gerne hinter seinem Namen auf einer Ergebnisliste stehen hat. Dennoch wusste ich ja woran es noch haperte und war motiviert es am nächsten Wochenende in Beringen besser zu machen.

 

Marseille sah cool aus, war aber für mich ein Tag zum Vergessen, FOTO EGO PROMOTION

 

Podest in Beringen als kleine Wiedergutmachung

 

Wie schon erwähnt konnte ich im Vorfeld und drei Tage nach Marseille nicht wirklich gut trainieren und verlor somit ein wenig meinen Rhythmus. In Beringen wollte ich es dennoch deutlich besser machen und auf einer sehr anspruchsvollen Strecke zeigen, dass ich auch ohne optimale Vorbereitung absolut konkurrenzfähig bin. In einem super spannenden Rennen fand ich mich zur Halbzeit in Führung liegend wieder und konnte dem Rennen lange Zeit meinen Stempel aufdrücken. Es klappte noch nicht alles und auch das Momentum lag noch nicht zu 100 Prozent auf meiner Seite, aber mit dem dritten Platz am Ende, nur wenige Sekunden hinter dem Sieger sowie belgischen Meister Jens Schuermans war ich nach dieser “Horrorwoche” dann doch zufrieden. Mein Bergamont Fastlane-Fully war mir darüber hinaus auch wieder ein absolut treuer Gefährte und hatte dank neuem Schaltzug auch keinerlei Performance-Probleme mehr. Das SetUp-Tuning der RockShox-Parts sowie die Optimierung meines Reifenluftdrucks (Maxxis) für verschiedene Bedingungen zeigten ebenfalls Wirkung. Beringen war somit ein absolut gelungenes Vorbereitungsrennen.

In Saalhausen noch näher am Sieg, aber ohne den nötigen “Durchblick”

 

Das nächste Vorbereitungsrennen fand im schönen Sauerland statt. Saalhausen – mein zweites Wohnzimmer. Hier habe ich schon alles erlebt. Total coole Rennen bei bestem Wetter, zahlreiche Siege und Podestplätze, aber auch meinen bittersten Tag 2015 als ich in klar Führung liegend bei der U23 DM zwei Runden vor Schluss stürzte, mir eine Rippe brach und dadurch nicht zu Ende fahren konnte. In diesem Jahr war Saalhausen für mich wesentlich entspannter. Der C1 Status lockte einige meiner deutschen Konkurrenten wie z.B. Max Brandl und Luca Schwarzbauer, aber auch viele BeNeLux-Fahrer von Rang und Namen. Ich wusste, dass meine Vorbereitung um einiges besser war als bei den beiden Rennen zuvor und fuhr dementsprechend voll auf Sieg. Da Saalhausen auch noch ein Vorbereitungsrennen für den nun anstehenden großen Wettkampfblock war, nutzte ich die Gelegenheit um neue Kontaktlinsen zu testen, die mir bei meiner leichten Sehschwäche helfen sollten. Das Rennen entwickelte sich von Anfang an so wie ich es wollte. Am Berg konnte ich das Tempo machen und somit das Feld kontrollieren, so dass ich gleich von Beginn an in der Spitzengruppe war. Durch die spezielle Witterung (sehr kalt, aber sonnig und in besonders steilen Passagen wieder warm) stellten sich meine neuen Kontaktlinsen als echtes Problem heraus. In den Steilstücken beschlugen diese aufgrund der Feuchtigkeit und Wärme von innen. Dat is nicht so prickelnd kann ich euch sagen…

Durch dieses Handicap verlor ich bergab aufgrund des fehlenden Durchblicks einiges an Zeit. Somit versuchte ich bergauf noch schneller zu fahren, um diesen Nachteil wieder ausgleichen zu können. Das gelang mir ganz gut. Am Ende wurde das Rennen zwischen Max Brandl und mir entschieden. Max konnte aufgrund seiner super konstanten Leistung bergab meinen Vorteil bergauf, der teilweise bis zu 15 Sekunden betrug, immer wieder wettmachen und war letztendlich der einzige der meinem Tempo noch folgen konnte. Am Ende war mein Nachteil bergab entscheidend. Max überholte mich im Downhill und ging somit mit etwas Vorsprung in die letzte Runde. Ich konnte diesen am Berg zwar wieder ausgleichen und war am höchsten Punkt an Max Hinterrad, jedoch war dann klar, dass ich bergab nicht folgen können würde. Letztendlich wurde ich knapp geschlagen Zweiter, trotz des klaren Handicaps meiner beschlagenen Linsen. Rein leistungstechnisch war Saalhausen mein bisher stärkstes Rennen in diesem Jahr und ich freue mich an diese Leistung in Heubach mit dem nötigen Durchblick wieder anknüpfen zu können. Das Problem mit meinen Augen habe ich nämlich behoben.

 

Knapp geschlagen Zweiter, erstmal enttäuscht, aber hinterher doch happy aufgrund der Leistung#

 

Feinschliff über Ostern

 

Einen Weltcup fährt man, wie ihr jetzt noch besser erahnen könnt, nicht einfach so. Man investiert mehr oder weniger ein halbes Jahr intensivster Arbeit in allen Bereichen für 90 min. Für 90 Min in Albstadt, für 90 Min in Nove Mesto. Eine ganze Vorbereitung für etwas mehr als drei Stunden. Das klingt auf den ersten Blick total paradox, aber rückblickend auf meine persönliche Vorbereitung 2019, ist es das total wert. Sich jeden Tag zu pushen, in den Vorbereitungsrennen seinen Standort zu bestimmen, Dinge auszuprobieren, zu scheitern, zu gewinnen, all das macht unglaublich viel Spaß und motiviert einen enorm für die großen Aufgaben und für diese drei Stunden im Mai. Den letzten Feinschliff habe ich mir in einem kleinen Heimtrainingslager über Ostern geholt. Darüber hinaus habe ich nun auch alle meine Bikes dank der neuen Syncros Hixon Lenker/Vorbaueinheit sowohl optisch, als auch gewichtstechnisch getuned. Es wird langsam ernst ;-).

 

Mein Bergamont Fastlane in der WELTCUP Edition 2019

 

Drückt mir für die kommenden Wochen die Daumen. Ich melde mich spätestens nach dem HC Rennen in Heubach wieder.

 

Bis dahin allzeit gute und sichere Fahrt,

 

Euer Ben

 

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