Ihr habt es in meinen Facebook und Instagram-News gesehen: 2020 hat sich ganz anders entwickelt, als geplant. Mittlerweile haben wir August und eigentlich wollte ich gerade aus Tokio von den olympischen Spielen zurück sein. Stattdessen war seit März totaler Stillstand im Renngeschehen.

Guter Start in die Saison

Dabei fing eigentlich alles sehr gut an. Klar, den fast schon obligatorischen Sturz beim 4-Stage-Lanzarote Etappenrennen hätte ich mir auch sparen können; doch er hinderte mich nicht daran, das Bergzeitfahren der 3. Etappe auf Platz 2 zu beenden. Platz 6 im Gesamtklassement war nicht ganz das, was ich mir erhofft hatte, aber mit dem Sturz und einem technischen Defekt war nicht mehr drin.

Im Februar folgte dann ein 9. Platz beim Mini-Weltcup in Banyoles (ESP), dem ersten (und coronabedingt letzten) HC-Rennen in diesem Jahr.  Das war schon ein Fingerzeig, denn ich habe mit Rücksicht auf das 3 Tage später beginnende wichtigste Etappenrennen Europas, dem Andalusia-Bikerace, noch nicht alles aus mirt herausgeholt.

In Andalusien lief es dann richtig rund! Dank exzellentem Support meines Teams, Centurion Vaude, erreichte ich im Gesamtklassement, den 2. Platz. So hätte es weitergehen können.

Dann kam Corona

Zuhause angekommen, es war Anfang März, ging es dann leider Schlag auf Schlag. Ein Rennen nach dem anderen wurde abgesagt, geplante Höhepunkte verändert. Nur um sie kurze Zeit später wieder über den Haufen zu werfen… DM Marathon in Heubach, nahezu alle Weltcups, die Heim-WM in Albstadt, alles abgesagt. Ich habe in dieser Zeit mein Training komplett umgestellt und zwei Dinge in den Fokus gerückt:

  1. Grundlage
  2. Spaß

Für mich hieß das vor allem lang und locker. Also bin ich viele Einheiten über 200 km und mehr durch die schöne Landschaften meiner Heimat, dem Ruhrgebiet, gefahren. Highlight war eine großes Runde über mehr als 310 km, eine Erfahrung, die ich ohne Corona vermutlich nicht gemacht hätte.

Restart in Polen

Anfang Juli kam dann ein besonderes Angebot für mich. Das erste UCI-Straßenrennen nach Corona fand in Polen statt. Beim Dookla Mazowsa, einem Rennen über 4 Etappen, durfte ich für das Team Bontrager Assos an den Start gehen. An den 4 Tagen wurde leider nur auf topfebenen Strecken gefahren, was mir eher nicht entgegenkommt. Dennoch war es eine tolle Erfahrung, bei einem internationalen UCI-Straßenrennen dabei zu sein. Gefahren wurde „mit dem Messer zwischen den Zähnen“ , denn jeder Fahrer wollte sich nach dem Restart zeigen. Am 2. Tag gelang mir sogar der Sprung in die Ausreißergruppe des Tages, doch trotz eines Schnitts von über 51 km/h über mehr als 90 km, wurden wir kurz vor dem Ziel wieder eingefangen. An den restlichen Tagen konnte ich einigermaßen entspannt im Feld mitrollen und so wertvolle Trainingskilometer sammeln.

Swiss Epic

Hauptziel war aber das erste große Etappenrennen nach dem Corona-Stop, das Swiss Epic. Auch hier war ein erlesenes Feld am Start, allen voran Weltmeister Nino Schurter mit seinem Teampartner Lars Forster.  Unser Centurion-Vaude Express bestand aus Daniel Geismeyer und mir. Unser Ziel war es vor allem, unsere Stärke bergauf zu nutzen. Gleich auf der ersten Etappe verschafften wir uns Respekt, indem wir von Anfang an „Alarm“ machten. Über 1 Minute Vorsprung wurden am Ende des ersten Anstiegs, der mehr als 1000 Höhenmeter hatte für uns registriert. Bergab fuhren wir kontrolliert und so konnten die Lokalmatadore Schurter/Forster erst aufschließen und dann an uns vorbeigehen. Auch auf der 2. Etappe ergab sich ein ähnliches Bild. Bergauf waren wir die Stärksten, bergab nutzen die Schweizer ihre Ortskenntnis. Dennoch lagen wir nur knapp 1 1/2 Minuten dahinter auf Platz 2 des Gesamtklassements. Leider erwischte uns auf der 3. Etappe der Defektteufel und das Verletzungspech. Nach einem Reifenschaden stürzte ich unglücklich auf einen Stein und zog mir eine große Platzwunde auf der Kniescheibe zu, die ein Weiterfahren unmöglich machte. Zwischenzeitlich ist die Wunde gut verheilt und zurückblickend bin ich stolz auf unsere Leistung, mit der wir die anderen Weltklasseteams am Berg immer wieder vor Probleme gestellt haben.

Ausblick

Nächstes planmäßiges Highlight für mich ist die Deutsche Meisterschaft Marathon. Meine zahlreichen langen Grundlageneinheiten sollten eine gute Basis für ein Top-Resultat sein. Auch wenn ich die Strecke im Odenwald noch nicht kenne, freue ich mich auf die erste Meisterschaft in diesem Jahr.