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Chaos in Chies ´d Alpago / trotzdem 7. im EM-Einzelrennen


Viel Zeit zum Feiern blieb nicht. Nach dem Europameistertitel mit der Staffel wollte ich mich schnell wieder auf das Einzelrennen der EM konzentrieren. Doch leider wurde unsere Vorbereitung jäh unterbrochen. Am Morgen nach dem Titelgewinn wollten wir unsere Räder für eine lockere Ausfahrt holen, doch als wir in unsere abgeschlossene Hotelgarage kamen, ereilte uns der Schock: Der Großteil der dort untergebrachten Räder war in der Nacht gestohlen worden. Darunter auch mein heißgeliebtes Bergamont REVOX Team. Dies ist umso ärgerlicher, da wir alle drauf bestanden hatten, die Räder mit aufs Zimmer zu nehmen, was uns vom Hotel aber verweigert wurde. Zum Glück hatte ich noch mein Bergamont Fastlane Fully als Ersatz dabei, so dass ich wenigstens auf einem gewohnten Rad fahren konnte. Für viele andere aus dem Nationalteam bedeute der Bikeklau aber, dass sie sich kurzfristig Alternativen suchen mussten. Zum Glück haben wir dann alle Fahrer und Fahrerinnen noch mit Rädern ausstatten können, so dass wenigsten der Start gesichert war. Allerdings ist es natürlich was anderes, wenn man mit dem eigenen Sportgerät fahren kann… Ich wollte eigentlich auch mit meinem Hardtail fahren, da die Strecke in Chies d´Alpargo vor allem von unglaublich steilen Anstiegen und vielen Höhenmetern geprägt war. Auch wenn der Gewichtsunterschied zum Fully mit 1,5 kg nur gering ist, so merkt man ihn gerade bei Steilanstiegen doch. In den Downhills waren außerdem auch nicht so viele technische Herausforderungen auf der Strecke, als dass sich der Fullyeinsatz hierfür gelohnt hätte. Aber egal. Lamentieren hilft nicht und so ging ich am Sonntag Morgen topmotiviert in das Einzelrennen. Startposition 31 war zwar ein gewisses Handicap,Ben Zieldenn die Startloop war relativ kurz und in den engen Trails, in die wir kurz nach dem Start einbogen, war Überholen nicht möglich, doch Ausreden helfen nicht, daher Fullgaz und ab. Ich fuhr zunächst ruhig, ging kein Risiko ein und kam so als 18. aus der Startrunde. Das Feld hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits lang auseinander gezogen und eigentlich war jetzt bereits klar, dass die Platzierungen ganz vorne nicht mehr erreichbar sein würden. Dennoch drückt ich ordentlich aufs Gas und spielte meinen Vorteil, den ich gegenüber den meisten Fahrer habe, wenn es richtig steil wird, aus. Ruhig und souverän eroberte ich Position um Position und zur Mitte des Rennens befand ich mich bereits in den Top 10 mit unmittelbarem Kontakt zu den Plätzen 9 – 5. Was folgte, war ein erbitterter Kampf um diese Plätze. In der Gruppe lagen neben mir und einem Belgier auch noch zwei Italiener, die nicht nur frenetisch angefeuert wurden. Viele Zuschauer sprangen vor Begeisterung gerade an engen Stellen immer wieder vor unsere Räder, so dass ich mehrmals ausweichen musste. Dennoch gelang es mir auf Platz 6 vorzufahren; 5 Sekunden vor mir war sogar Platz 5 in Sicht. Ich gab in der Schlussrunde noch einmal alles, letztlich wurde ich aber von einem Italiener noch übersprintet und landete so auf Platz 7. Vor dem Hintergrund der chaotischen Umstände an den Vortagen und dem nicht ganz optimalen Rad bin ich damit aber voll zufrieden.

Fazit der EM: Eine Goldmedaille gewonnen, einen Top-Platz eingefahren und insgesamt eine tolle Leistung, mit der ich sehr zufrieden bin. Ich denke, dass ich in meiner Entwicklung erneut einen großen Schritt nach vorne gemacht habe und freue mich jetzt auf die Übersee-Weltcups in Kanada und USA. Hier wird es für mich etwas einfacher, denn in der Worldcup-Gesamtwertung liege ich auf Platz 16, so dass ich damit eine deutlich bessere Startposition habe. Drückt mir Daumen, dass ich sie auch nutzen kann.

Ach so, falls Ihr irgendwo ein Bergamont REVOX Team mit XX1-Ausstattung, SRM-Kurbel und einem maßangefertigten GEBIOMIZED-Sattel seht, meldet Euch bitte. Das Rad gibt es in dieser Ausstattung nicht zu kaufen und es ist daher entsprechend auffällig. Hier seht Ihr es im Detail:

Ben Hardtail

 

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