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4 Stage Mountainbike Lanzarote

4 Stage Mountainbike Lanzarote

Über den Vulkan fliegen vs. auf den Vulkan fliegen

Das Club La Santa 4 Stage MTB Lanzarote ist das einzige UCI dotierte Stagerace auf den Kanarischen Inseln. In diesem Jahr hat man der Veranstaltung quasi als Belohnung für die jahrelang optimale Organisation sogar den höchsten normalen UCI S 1 Status verliehen. Es gibt lediglich eine Hand voll SHC-Rennen, wie das Cape Epic oder den Brasil Ride, die noch höher dotiert sind.

Ein höherer Status im vorolympischen Jahr bringt aber auch mit sich, dass deutlich mehr Fahrer aus allen Herren Ländern auf die Veranstaltung aufmerksam geworden sind und diese in diesem Jahr so gut besetzt war, wie noch nie. Alleine 6 nationale Meister waren unter den ersten 15 Platziert. Dass viele von den besten Fahrern auch im Weltcup oder bei der WM auf dem Podium standen ist da kaum noch überraschend.

Meine Erfahrungen aus den letzten Jahren mit dem 4Stage MTB Lanzarote waren fast durchweg positiv. Die familiäre Atmosphäre und die perfekten Bedingungen im Club La Santa bereiten jedes Jahr aufs Neue eine große Freude und sind sowohl für uns Profis, als auch für alle Amateur- bzw. Hobbyfahrer ein guter Grund die 4 Tage Ende Januar bzw. Anfang Februar rot im Kalender zu markieren.

Meine Erfahrungen mit diesem Rennen lehrten mich aber auch, dass gerade mit einem so stark besetzten Fahrerfeld, der Tanz auf dem Vulkan noch enger und intensiver sein würde als noch in den vorherigen Ausgaben.

Zusammen mit meinem Vater und meinem Vereinskollegen Leon Kaiser, der auf Lanzarote das erste Mal „Profiluft“ schnuppern sollte, flogen wir also gen Süden und checkten bei milden 20 Grad und leichtem Wind im Club La Santa ein. Am Tag vor der ersten Etappe schauten Leon und ich uns nochmal gemeinsam mit Thomas Litscher von KMC-Ekoi die Strecke für den nächsten Tag an, checkten mit meinem Vater jede Schraube an unseren Bikes und bereiteten einige Nutrixxion-Flaschen mit Ausdauergetränk, Recoveryshake und Energie-Gels vor. Wir waren also mehr als gut vorbereitet für 4 Tage Mountainbike-Action.

Etappe 1: Ungewohnte Sprinter-Qualitäten

Die erste Etappe war eine sehr schnelle Nummer. 41 km mit lediglich 800 hm und kaum Wind (auf Lanzarote wirklich ungewöhnlich) gingen wahnsinnig fix von der Hand oder besser gesagt vom Bein. Ich konnte von Anfang an das Tempo an der Spitze bestimmen und habe jeden kleinen Berg genutzt um ordentlich Alarm zu machen. Das führte dazu, dass ich den ganzen Tag in einer vierköpfigen Spitzengruppe vertreten war und einige Aspiranten auf den Gesamtsieg schon Zeit verlieren sollten.

Kurz vor dem Ende der ersten Stage gesellten sich mit Sergio Mantecon, Karl Markt und Gregor Raggl noch drei richtige Monster für eine Sprintankunft zu uns. Es sollte also schnell und hektisch werden. Im Finish erwischte ich zunächst das Hinterrad von Mantecon, welchen ich als stärksten Fahrer eingeschätzt habe. Doch der Weltranglisten-13. hatte in diesem Jahr nicht die gleiche Form wie sonst. Kurz vor dem Ziel ging der Pole Bartolomej Wawak noch an uns vorbei. Er hatte mit Jonas Lindberg auch noch einen weiteren Fahrer am Hinterrad, den er mitzog. Darauf konnte ich leider nicht mehr reagieren und landete im Sprint auf Platz 3 dieser Etappe. Alles super – ein Podium zu Beginn eines Etappenrennens ist immer geil und ein Schnitt von über 30km/h zeigte, welches Niveau das Rennen in diesem Jahr hatte. Ich bekam Bock auf mehr.

Etappe 2: Ouchhhhhh

Tag zwei war ähnlich wie Tag eins, nur 40 min (also 20 km) länger. Hoch motiviert aber auch hoch konzentriert ging ich in diesen zweiten Tag. Ich wollte aufgrund meiner Chancen auf eine super Platzierung im GC nicht zu offensiv fahren, jedoch an den entscheidenden Stellen vorne sein. Ich erwischte keinen besonders guten, aber auch keinen schlechten Tag. Zumindest konnte ich in der ersten Stunde, das Tempo nicht so kontrollieren wie ich es gerne gemacht hätte. Zeit oder Kraft habe ich dadurch aber auch nicht verloren. Heute war die Etappe länger, hatte aber weniger konditionellen sowie technischen Anspruch. Daraus ergab sich eine riesige Spitzengruppe, die zeitweise über 30 Fahrer beinhaltete. Ganz schön hektisch und chaotisch. Ich hielt mich aus dem Gröbsten raus und konnte immer wieder beobachten wie Leon, der auf der ersten Etappe zum Glück defensiv gefahren ist und dadurch einige Körner gespart hat, sich sehr gut in der Gruppe behaupten konnte. Er hielt sich quasi bis zur entscheidenden Attacke 7 km vor dem Ziel immer vorne auf, was sehr beachtlich ist, wenn man bedenkt wie jung der Kerl noch ist! 7 km vor dem Ziel ging dann also die Post ab. Ein kleiner aber feiner Berg, eine Attacke, eine rasante Abfahrt und schon waren wir nur noch zu Siebent. Leider war das ein Fahrer zu viel. Ein ehemaliger Straßenfahrer aus Italien hat sich hartnäckig gehalten und befand sich mit uns im Kampf um den Etappensieg. Ich wollte diesen natürlich unbedingt holen und ging 3 km vor dem Ziel nochmal „all-in“, um den Italiener zu überholen, der schon den ganzen Tag durch unfaires und unsportliches Verhalten aufgefallen war. Ich war eigentlich schon an ihm vorbei und am Hinterrad von Thomas Litscher, als der Italiener einen Bogen fuhr, den Ellenbogen auspackte und mich so in Thomas hineindrängte. Dadurch kamen Thomas und ich im groben Lavagestein bei über 40 km/h zu Fall. Thomas konnte mit schmerzender Hüfte, Ellbogen und Rippe weiterfahren, bei mir machte das rechte Schienbein, die rechte Schulter, sowie der Ringfinger meiner rechten Hand schlapp. Ich musste mich kurz sammeln und als mich Leon überholte und mich anfeuerte, entschied ich mich die drei Kilometer zum Ziel noch durchzuziehen. Es dauerte ca. 1,5 km bis ich wieder halbwegs fahren konnte. Auf dem letzten Kilometer war ich dann wieder im Rennspeed und zog Leon noch ein paar Meter in Richtung Club La Santa. Dabei hielt ich meinen Rückstand zum Glück noch in Grenzen. Ich verlor als Etappen-14.er 57 Sekunden, Leon als 15.er ein paar mehr. Im Ziel kam es dann noch zu einem heftigen Wortgefecht mit dem Italiener. Dieser zeigte sich total uneinsichtig und sehr arrogant. Jeder Ehrgeiz ist, wie Thomas es hinterher formulierte, schön und gut, aber solche Aktionen gehören selbst beim Saisonhöhepunkt nicht auf die Rennstrecke, geschweige denn bei einem Etappenrennen im Januar. Aus meiner Sicht ein ganz ekeliges Verhalten, was sofern es ein Kommisär gesehen hätte, zur sofortigen Disqualifikation des Italieners, den im übrigen keiner von uns Profis kannte, geführt hätte.

Während sich die anderen Kontrahenten im Kampf um das GC auf das wohl entscheidende Bergzeitfahren des dritten Tages vorbereiteten, hieß es für mich erstmal Sani-Zelt, Wunden versorgen, die Schwellung an meinem Schienbein kühlen und den Rest von meinem Körper untersuchen. Mein Bein hat eine ordentliche Prellung mit einer starken und großflächigen Einblutung in den Muskel abgekriegt. Kapselriss im Finger, sowie Prellung der Schulter sind zwar schmerzhaft, behindern beim Radfahren jedoch nicht großartig. Beim Schienbein sah die Situation anders aus. Ich war sowohl abends, als auch am nächsten morgen nicht sicher ob ich das Zeitfahren antreten würde können, entschied mit nach einem kurzen Spin am Morgen jedoch trotzdem dafür, obwohl die Schmerzen schon ordentlich waren.

Tag 3: Ruhrpott-Moral

Das Zeitfahren war mir durch die letzten Jahre bestens bekannt und pünktlich für diese entscheidende Etappe ist auch noch der Wind auf Lanzarote aufgewacht. Böen von 50-80km/h waren die Vorboten einer super harten und teilweise sehr gefährlichen Etappe, die ich zu allem Überfluss auch noch mit nur 1,5 gesunden Beinen antreten musste. Insofern rechnete ich nicht wirklich mit einem guten Ergebnis, konzentrierte mich aber darauf meine ausgerechnete Pace von ca. 375-385 Watt auf 50 min Zeitfahren zu erreichen. Es handelt sich dabei nicht um ein klassisches Bergzeitfahren, da es zwischen durch noch 5 min im technisch bergab geht und man von dort aus ca. 4km flach durch ein Tal zum finalen Anstieg fliegt. Ich blieb vor allem am ersten und steilsten Berg cool und fuhr mit 390 Watt ca. 15 Watt weniger als im Vorjahr. Ich konnte damit auf den 1 min vor mir gestarteten Sören Nissen, der das Rennen auch schon einige Male gewonnen hat, ca. 40 Sekunden gut machen, verlor auf den hinter mir gestarteten Martin Loo jedoch auch ca. 40 Sekunden. Trotzdem blieb ich cool und schaute nur auf mich sowie meine Leistung. Im Downhill konnte ich Sören bei extremen Seitenwind überholen und im Flachstück bei extremen Rückenwind ein bisschen Energie für den letzten 7km langen Berg gewinnen. Das letzte Stück dieses Zeitfahrens ist die Hölle. Es geht 7 Kilometer mehr oder weniger geradeaus bei 7-15 %, mit 30-80 km/h Gegenwind bergauf. Im letzten Jahr bin ich auf diesem Stück am Ende komplett eingegangen, in diesem Jahr hab ich mir noch was im Tank gelassen. Ich konnte nahezu den ganzen Berg mit einer Leistung von mehr als 400 Watt bei meinen 64 kg bewältigen und somit eine super Zeit im zweiten Teil des Zeitfahrens abliefern. Martin Loo verlor beispielsweise auf diesem Stück mehr als eine Minute auf mich, was zeigt, dass meine Strategie nicht allzu schlecht war. Für den Etappensieg hat es dennoch nicht ganz gereicht. Nadir Colledani und Wawak Bartolomej waren noch ein bisschen schneller. Dafür habe ich im unteren Teil, in dem mich mein rechtes Bein auch noch mehr eingeschränkt hat, zu viel Zeit liegen lassen. Der dritte Platz im Tagesklassement ließ mich einen Großteil der Schmerzen jedoch vergessen und machte mich stolz, dass ich mich durchgekämpft habe. Meine Chancen auf das Gesamtpodest waren auf einmal wieder richtig gut und somit war die Strategie für die letzten 81 km klar: sicher fahren und, wenn noch was nach ganz vorne geht, attackieren. Leon ging als Gesamt-13er auf die finale Etappe und hatte sein persönliches Ziel Top-Ten ebenfalls noch vor Augen.

Etappe 4: Sicher aufs Podest

Tag vier hieß für mich dann Tag zwei nach meinem Sturz. Wer schonmal mit 50 in ein Steinhaufen geknallt ist wird wissen was ich meine, wenn ich sage, dass die Schmerzen am zweiten Tag von heftig zu unerträglich werden. Ich fühlte mich tatsächlich so, als ob mich ein LKW überfahren hatte und brauchte für alle alltäglichen Dinge, die nichts mit Radfahren zu tun hatten ein bisschen länger als sonst. Auf dem Rad war an diesem Tag dafür alles anders. Ich präsentierte mich von Anfang an als angriffslustig und konnte die Etappe auch durch meine Streckenkenntnis fast ausnahmslos kontrollieren. Durch den kurzfristigen krankheitsbedingten Ausfall von Jonas Lindberg (gute Besserung mein Freund!) war mein größter Konkurrent um den dritten Gesamtplatz der Este Martin Loo. Dieser hat in der Vergangenheit schon zahlreiche Bundesligarennen gewonnen und war auch schon im Weltcup top-platziert. Uns trennten lediglich neun Sekunden, nach vorne waren es auf den Gesamtsieg ca. 90 Sekunden. Insofern war Kontrolle, das oberste Gebot. Nach 40 km mussten wir den gleichen Berg, auf dem das Ziel des Zeitfahrens war von der anderen Seite erklimmen. Bis dahin war es eine ca. 15 Mann große Spitzengruppe mit allen Favoriten. Am Berg kontrollierte ich erneut wieder das Geschehen und wartete auf eine Attacke von Loo oder einem anderen Klassement-Fahrer. Zum Glück konnte ich das Tempo so hoch halten, dass erst auf dem letzten Kilometer so richtig die Post abging und sich eine fünfköpfige Gruppe bildete. Jedoch waren auch hier wieder alle Favoriten auf den Gesamtsieg zusammen, so dass eine Flucht mit noch zu fahrenden 35 km aussichtslos erschien. Nach der schnellen Abfahrt waren wir erneut zu Acht und somit lief es wieder einmal auf eine Sprintankunft heraus. Wawak und Colledani trennten im GC ja nur 2 Sekunden, wodurch die beiden auf den letzten Kilometern natürlich nochmal einen krassen Fight um den Gesamtsieg starteten. Aus diesem Kampf hielten Martin Loo und ich uns etwas heraus, so dass ich am Ende als Tagesfünfter und Gesamtdritter die Ziellinie des diesjährigen 4Stage MTB Lanzarote überqueren konnte. Nach meinem Sturz und den heftigen Schmerzen sowie Verletzungen war das für mich fast ein Wunder. Dass dann auch noch Leons harter Fight bis zum Äußersten mit dem zehnten Gesamtplatz (!!!) belohnt wurde, rundete das Event für uns dann komplett ab. Das Feierabend-Bier hatten wir uns redlich verdient!

Ich komme mit 80 ganz wichtigen UCI Punkten, einer super Moral, jeder Menge Motivation, aber auch einigen Blessuren im Gepäck wieder nach Hause. Mit meiner Form und dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden und ich würde behaupten, dass ich noch nie so stark war wie bisher.

Mit den besten Sponsoren in die Saison 2019

Das alles wurde dann natürlich noch durch mein hervorragendes Equipment garniert. Mit dem neuen Bergamont Fastlane kann man auch in 2019 nichts falsch machen. Ich habe für Lanzarote bewusst auf die Haltbarkeit des Material gesetzt und nicht das letzte Gramm herausgeholt. Besonders zuverlässig und damit maßgeblich für diesen Erfolg waren die Aspen Reifen von Maxxis, die Tire-Noodle von Pepi, die neuen Anbauteile von Syncros, die Parts von Sram und die Bremsen von Magura. Meinen Abus-Helm habe ich auf der zweiten Etappe tatsächlich gebraucht und ich denke, dass dieser schwere Kopfverletzungen verhindert hat. Top versorgt und ohne einen einzigen Krampf bin ich durch die 4 Tage dank Nutrixxion gekommen. Das war meine erste sehr intensive Belastung mit ihren Produkten und ich habe wirklich nichts zu meckern. Von der Verträglichkeit des Pulvers, über die Konsistenz des Gels bis hin zum Geschmack der Riegel war alles perfekt. Mein Geheimtipp: der Nutrixxion 375 Magnesium Boost: wer auch so wie ich Probleme mit Krämpfen hat, kann das Zeug sicher gut gebrauchen.

Ich lege jetzt erstmal ein paar Tage die Beine hoch, genieße den Schnee im Ruhrgebiet bevor es Mitte Februar in Griechenland mit dem nächsten Etappenrennen weitergehen wird. Vielen Dank fürs Lesen und fürs Mitfiebern von zuhause! Ihr seid die Besten!

Euer Ben

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