In Andorra auf der Fastlane & chaotischer Tag in Lenzerheide

In Andorra auf der Fastlane & chaotischer Tag in Lenzerheide

Samstag, es ist 7 Uhr. Ich lief gerade die Treppen meiner Wohnung runter, als mir wieder der Gedanke kam: „Verdammt, hoffentlich hast du nix vergessen!“. In meinem Kopf ging ich noch zehnmal meine obligatorische Liste durch. „Helm, Schuhe, Brille, Trikots, Hosen, SRM, Getränkepulver, wird schon schiefgehen!“. Normalerweise alles Routine für mich, war ich dieses eine Mal doch nervös, dass mir etwas fehlen würde. Denn ca. 30 Stunden später fiel 2000 km entfernt der Startschuss zum dritten UCI MTB WorldCup in Andorra. Flug ab Düsseldorf um 10 Uhr, Weiterfahrt von Barcelona und Ankunft in Andorra um 17 Uhr. Direkt im Anschluss noch eine schnelle Runde auf der mir schon von der WM 2015 bestens bekannten Strecke und dann schnell ins Bett. Das war der Samstag vor dem Weltcup in Andorra. „Warum reist der Zwiehoff denn erst so kurzfristig an, hat der wat am Helm?“ wird sich womöglich so mancher jetzt fragen. Nein. Außer einer coolen Lackierung und dem ABUS-Schriftzug hab ich nix am Helm, sondern bin sogar komplett bewusst erst an diesem Samstag nach Andorra gereist.
Der Weltcup in Vallnord ist nämlich etwas ganz Spezielles. Der Start befindet sich auf ca. 2000m über dem Meeresspiegel und stellt für uns Flachländler und insbesondere für mich, der grundsätzlich nur perfekt mit Ruhrpottluft funktioniert, eine besondere Herausforderung dar. Um dieser Schwierigkeit entgegen zu treten gibt es in Fachkreisen zwei Möglichkeiten. Entweder man unternimmt eine langfristige Höhenanpassung (mind. Zwei Wochen) und bereitet sich somit auf dieses Event explizit vor oder aber man reist so kurzfristig wie möglich an und setzt den Körper nur wenig Zeit mit der Höhenluft aus. Ich entschied mich aus mehreren Gründen für letzteres. Mir fehlte nicht nur die Zeit, aufgrund meiner Krankheit nach dem Weltcup in Albstadt, sondern auch die Erfahrung wie mein Körper auf längerfristige Aufenthalte in der Höhe reagiert. Somit stand ich Sonntag um 14:45 Uhr nur 30 Stunden, nachdem ich die Treppen in meiner Wohnung runter lief, am Start des dritten Weltcups. Ich hatte nichts vergessen und fühlte mich sogar ganz gut, trotz der Höhe. Vom Start an fuhr ich ein konstantes, ruhiges und konzentriertes Rennen. Ich wusste, dass ich in der Höhe nicht über mein Limit gehen darf. Insofern hielt ich mich am Anfang noch zurück. Von meiner Startposition 50 arbeitete ich mich nach der Hälfte des Rennens immer weiter in Richtung der Top 30 vor. Als mich zwei Runden vor Schluss noch Manuel Fumic, der anfangs durch einen Defekt ausgebremst wurde, überholte, hatte ich das passende Hinterrad, um noch weiter nach vorne zu fahren. In den letzten beiden Runden gelangen mir starke Rundenzeiten, in denen ich nicht viel langsamer war als der souveräne Sieger Nino Schurter. Völlig erschöpft erreichte ich schließlich als 34ter das Ziel.

Auf dem Fastlane in Andorra.

Im Nachhinein war ich zwar sehr zufrieden mit diesem Ergebnis, wusste aber auch, dass ich mit etwas mehr Mut in den ersten Runden, vielleicht auch noch eine Gruppe weiter vorne in den Top 25 ankommen hätte können. Dennoch: Platz 34 und zweitbester Deutscher liest sich schon mal nicht schlecht. In Andorra war ich also gewissermaßen auf der ( aber auch auf dem Bergamont 😉 ) Fastlane unterwegs.

Nach den Qualen in der Höhe von Andorra, reiste ich am Tag darauf mit dem BDR ins Trainingslager nach Livigno. Für mich war es weniger eine Frage des Trainings, sondern vielmehr eine Frage der Logistik, war es doch für mich einfacher von Andorra aus über Livigno nach Lenzerheide zu reisen. Dennoch hatten wir eine super coole Zeit dort oben und waren alle ein wenig wehmütig als es Freitags weiter zum Weltcup in die schweizerische Lenzerheide ging. In Lenzerheide bin ich schon hervorragende, aber auch sehr enttäuschende Rennen gefahren. Für mich spielte es aber keine Rolle, was in den letzten Jahren war. Ich wollte einfach noch einen auf Andorra draufsetzen und zeigen, dass meine Form auch für die Top 30 oder sogar für die Top 25 reicht. Dessen bin ich mir auch nach dem Rennen in Lenzerheide noch sicher.

Zunächst möchte ich mich aber bei meinem großartigen Team für den Support vor Ort bedanken. Unser neuer Teammanager André Vogelsang war genauso am Start wie das gesamte Downhillteam. André und ich nutzten die Gelegenheit für ein cooles Video, was ihr auf der Facebookseite von Bergamont findet. André sagte vor Ort so passend: „Wer hätte vor 5 oder 10 Jahren gedacht, dass wir mal bei einem der größten Events der Szene mit so einem großen Zelt und jeder Menge Teamfahrern und Stuff vor Ort sein würden. Das ist schon echt der Wahnsinn!“. Dem kann ich mich nur anschließen! Einer der Gründe einfach so zielstrebig weiter zu arbeiten wie bisher.

Leider gibt es zum Rennen in Lenzerheide weniger Positives zu berichten. Ich erwischte den schlechtesten Start meiner bisherigen Weltcupsaison. Ich stand nicht nur auf der falschen linken Seite, sondern wurde gleich nach 100 Metern in einen doofen und unnötigen Startcrash verwickelt. Meine Taktik, ähnlich wie in Andorra konstant und auch hinten raus schnell zu fahren, war somit bereits hinfällig. Ich versuchte mich trotzdem nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Allerdings ist bei einem Weltcup, wo man nach der Startloop nur auf Platz 65 ist, nicht mehr viel zu holen, wenn man keinen absoluten „Sahnetag“ erwischt. Diese besondere Tagesform fehlte mir an allen Ecken und Enden. Es war einer der Tage an dem das Körpergefühl nicht besonders gut war und sich deswegen überall kleine Fehler einschlichen. National würde es an einem solchen Tag wahrscheinlich noch für die vorderen Ränge reichen, aber bei einem Starterfeld mit absoluter Weltklassebesetzung reicht sowas halt nur für einen 48. Platz. Damit war ich zwar immer noch drittbester Deutscher hinter Manuel Fumic und Markus Schulte-Lünzum, aber die Platzierung spiegelt in keiner Weise meine Form und mein Leistungsvermögen wieder. Deswegen kann ich mit dem Weltcup in Lenzerheide alles andere als zufrieden sein.

Fight in der Lenzerheide. 

Letztendlich muss man sagen, dass der zweite Weltcup-Block für mich schon um einiges besser verlief, als der erste mit den Weltcups in Nove Mesto (Kettenriss) und Albstadt (Krankheit). Ich habe wieder einiges dazu gelernt und zumindest in Andorra mal angedeutet, wo die Reise hingehen kann. Mein Ziel einen Weltcup in diesem Jahr in der Nähe der Top 20 zu beenden liegt sicher nicht in weiter Ferne und ich werde hart arbeiten, um das entweder in Kanada oder beim Finale in Val di Sole auch zu schaffen.

Danke an den Bund Deutscher Radfahrer für den Support vor Ort und für die wahnsinnig coole Zeit im Trainingslager in Livigno.

Mein Bergamont Fastlane Team war auch bei diesen beiden Weltcups ein treuer Begleiter und stellt für die technischen Herausforderungen wirklich das Optimum in meinen Augen dar. Besonders loben muss ich an dieser Stelle auch nochmal die MT 8 RL Bremsen von Magura und die Ikon-Reifen der Marke Maxxis. Beide zeichneten sich bei verschiedenen Wetterlagen in Andorra und Lenzerheide aus und sorgten dafür, dass ich immer genug Grip unter meinem Bike hatte und mir nie Sorgen machen musste auch im steilen Gefälle zum Stehen zu kommen.