Ausgeknockt in Australien / nur Platz 48 bei der WM

Ausgeknockt in Australien / nur Platz 48 bei der WM

Down under, traumhaftes Land, endlos lange Strände, Dschungel und ein Lebensgefühl, das durch den Satz „No worries“ treffend beschrieben wird. No worries antworten die Australier auf nahezu alle alles. Es ersetzt „Danke“, „Nicht dafür“ und ähnliche deutsche Ausdrücke, bedeutet aber inhaltlich viel mehr, denn es schwingt im Unterton immer mit, dass egal, was auch passiert, man sich nicht grämen sollte, sondern es Dinge gibt, die wichtiger sind…

No worries, das ist es auch, was mir von der Weltmeisterschaft bleibt. Am Ende muss ich mit meinem 48. Platz leben. Zufrieden bin ich damit nicht, doch die Umstände, die sich leider erst im Nachhinein aufgeklärt haben, ließen nicht mehr zu. Dazu später mehr…

Erst einmal war ich riesig stolz; stolz darauf, es überhaupt geschafft zu haben, mich für die WM zu qualifizieren. In meinem ersten Elitejahr nicht selbstverständlich, aber doch das Ziel, dass über die gesamte Saison verfolgt habe.So ging es 10 Tage vor dem Rennen mit dem großen Tross des Bund Deutscher Radfahrer (BDR) nach Cairns und dort an den Trinity Beach, wo wir uns in herrlicher Kulisse, bei super Wetter den letzten Schliff für die WM holten. Der BDR hatte keine Kosten und Mühen gescheut; wir hatten sogar einen eigenen Koch vor Ort, der uns mit sportgerechtem leckeren Essen versorgte. Mein Dank geht an das gesamte Team und Bundestrainer. Peter „Speedy“ Schaupp für die perfekte Betreuung in der gesamten Zeit in Australien. Auch das Training, dass wir zum großen Teil im Dschungel absolvierten, lief gut. Den ersten kleinen Dämpfer gab es dann ei der Staffel, als unser deutsches Team in der Besetzung Max Brandl, Tim Meier, Sabine Spitz, Franziska Koch und Manuel Fumic nur auf Platz 7 landete; alle im deutschen Team hatten insgeheim auf eine Medaille gehofft, doch manchmal soll es eben nicht sein. Der Stimmung im Team tat das aber keinen Abbruch, wir verstanden uns gut und so war auch das Staffelergebnis schnell abgehakt.

In den verbleibenden drei Tagen bis zum Jahreshöhepunkt absolviert ich zahlreiche Trainingsrunden auf der Strecke, die nahe der James Cook-Universität mitten im australischen Regenwald liegt. Sie bietet leider nur wenige Überholmöglichkeiten, ist in den Downhills fahrtechnischsehr herausfordernd, was durch die harte und lange Bergauf-Passage, die Dich in jeder Runde an den Rand des körperlich Möglichen bringt, noch schwieriger wird. Wichtig also, dass wir jeden Zentimeter genau kennen. Das Training lief eigentlich sehr gut, obwohl mir vom Gefühl her der letzte Kick und die Spritzigkeit fehlten. Ich führte dies aber auf die lange Anreise, den Klimawechsel und die Zeitverschiebung von 9 Stunden zurück und hoffte, dass die fehlenden Prozente bis zum Rennen noch wiederkämen. Sonntag, 10.09.2017, 15.00 Uhr. Es war soweit, der Startschuss zur WM war gefallen. 

 Einer Büffelherde gleich gingen rund 100 Fahrer in die Startloop. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, in der Startloop von meinem Startplatz 42 aus gleich Plätze gut zu machen. Doch irgendwie merkte ich, dass die Spritzigkeit noch immer nicht da war. So blieb ich ruhig, reihte mich um Platz 45 ein und wollte dann versuchen im Verlauf des Rennens noch Plätze gut zu machen. Die ersten beiden Runden gelang mir dies auch, doch merkte ich schon zu diesem Zeitpunkt, dass mich jeder Überholvorgang enorm Körner kostete.Immer wieder war ich gezwungen das Tempo rauszunehmen, um nicht schon zur Mitte des Rennens zu explodieren. Und auch in den Downhills lief es nicht so flüssig wie gewohnt. Die Licht- und Schattenwechsel im Regenwald machten mir zu schaffen und nur mit Mühe konnte ich das Tempo meiner Gegner bergab halten. Ab diesem Zeitpunkt ging es dann nur noch um Schadensbegrenzung, denn Aufgeben bei einer WM, das kommt natürlich nicht in Frage. So stand am Ende ein für mich enttäuschender 48. Platz zu Buche. Dazu die Frage, wo die Ursache für die fehlende Form liegen könnte. An meinem Bergamont Fastlane, meinem RAce-Fully lag es definitf nicht. Das Bike giert einfach nach fahrtechnisch schwierigen Downhills und lässt Dich auch eigentlich unmögliche Linien fahren. Bergauf mache ich dann den Dämpfer und die Federgabel zu und schon fährt sich mein Fastlane wie ein Hardtail. Es musste also eine andere Ursache geben…

Aufklärung dazu gab es dann nach meiner Rückkehr nach Deutschland. Bei meinem routinemäßigen Zahnarzt-Checkup, den ich halbjährlich absolviere, wurde ein offenbar schon länger wirkender Entzündungsprozess entdeckt, der sofort behandelt werden musste. Daher entschloss ich mich, die Behandlung unmittelbar anzugehen und gleichzeitig meine Saison noch vor den beiden letzten Bundesliga-Rennen zu beende, um dem Körper die notwendige Ruhe zu geben. Off-season ist also jetzt das Motto. 3 Wochen Pause bis Anfang Oktober, bevor wir dann hoffentlich gesund in die neue Saison 2018 starten können. Drückt mir die Daumen, dass ich bis dahin wieder ganz erholt bin.

Immerhin gab es ein paar tolle Fotos, die wie immer von EgoPromotion geschossen wurden: