Archive for November, 2017

17 Nov

Radfahrer, die jeder kennt – Teil 1

In Allgemein by Ben / 17. November 2017 / 0 Comments

Hallo und herzlich Willkommen in meinem ersten Teil des nicht ganz ernst gemeinten Kataloges, über Radfahrer, die jeder kennt. Ich hoffe er gefällt euch. Und falls ihr euch selbst wiedererkennt, keine Sorge, das tue ich auch und zwar in fast jedem. Also viel Spaß beim Lesen und denkt dran: *Ironie an*

 

10 Radfahrer, die jeder kennt:

 

Der wegen Gegenwind Zuspätkommer: Wer kennt das nicht. Man ist sonntags, bei bestem Wetter zu einer langen Ausfahrt verabredet. 11 Uhr war angesagt, doch einer kommt immer zu spät. Einfach nur „Sorry“ zu sagen und sich der Gruppe anzuschließen, fällt diesem besonders dreisten Mitstreiter aber nicht ein. Er schiebt seine 15-30 minütige Verspätung wie jedes Mal auf den unvorhersehbaren Gegenwind auf seinem Weg zum Treffpunkt. Dass dieser Ort allerdings teilweise nicht einmal zwei lächerliche Kilometer von seiner warmen und windstillen Wohnung entfernt ist, stört ihn dabei nicht.

 

Der Lutscher: Ein eigentlich recht angenehmer Zeitgenosse, wenn man im Sommer und in Form ist. Im Winter, wenn jeder Meter in die Knochen geht und der kalte Wind einem in die Nase bläst, ist diese Ballerbirne unerträglich. Nahezu die ganze Tour bewegt er sich zielsicher an deinem Hinterrad, gibt keinen Kommentar ab und interessiert sich weder für das Ziel der Tour, noch für irgendetwas anderes. Das einzige was diesen Menschen juckt ist, wie er möglichst energieeffizient und ohne viel Aufwand dahin kommt, wo du hin willst. Teilweise schleppt man diese Type noch mit in den Keller seiner Wohnung und unter die anschließende Dusche. Wirklich lästig.

 

Der, der den ganzen Tag nur hinten fährt, aber bei jedem Ortschild vorne ist: Kommen wir nun zu einem Radfahrer, den wirklich absolut jeder kennt. Für manch einen mental labilen Fahrer ist er die fleischgewordene psychologische Erkrankung. Anders als der Lutscher ist er nicht darauf aus seine Nase vor dem Wind zu schonen und dir am Arsch zu kleben. Nein, der Kollege fährt den ganzen Tag ähnlich wie der Lutscher an deinem Hinterrad, um dann aber 100-200m vor diesen großen gelben Schildern mit etwaigen Ortsnamen, in „wanna-be“ Peter Sagan – Manier an dir vorbeizusprinten und sich seine imaginären Punkte für das grüne Trikot seiner gedanklichen Hall of Fame zu sichern. Dabei scheint es ihn überhaupt nicht zu interessieren, ob irgendwer an seinem Wettbewerbchen teilnimmt oder er wie der Typ aus Split gegen zehn seiner zwölf anderen Persönlichkeiten kämpft. Eins ist so sicher wie die Currywurst im Ruhrgebiet, diese Type ist bei jedem gelben Schild vorne.

 

Der, der den ganzen Tag nur hinten fährt, bei jedem Ortschild vorne ist und sich feiert wie Peter Sagan: Eine abartige Abwandlung der vorher genannten Person ist dieses, sagen wir, Subjekt. Der zieht den gleichen Stiefel durch wie der Typ, „der den ganzen Tag nur hintern fährt, aber bei jedem Ortsschild vorne ist“, und dreht dann mehr durch als Jack Nickelson in „The Shining“. Sobald sein Vorderrad die gedachte Ziellinie am Ortsschild überquert hat und dieser Penner realisiert hat, dass er entweder alle anderen abstellen konnte oder einfach keiner mehr Bock auf sein dummes und sinnloses Spiel hatte, reißt er seine Arme hoch und jubelt als hätte er gerade ein Mittel gegen seine wochenlang quälenden Hämorriden gefunden. Dabei bewegt er sich die ganze Zeit auf sehr dünnem Eis gegenüber seinen Mitstreitern. Ich persönlich habe so jemanden schon mal ohne Vorderrad am Straßenrand stehen sehen. Das hatte einer seiner Kollegen kurzerhand ausgebaut und mitgenommen, um diesen Idioten endlich los zu werden.

 

Der Wissenschaftler: Es gibt Leute im Radsport, die sind wie ne Mischung aus Stephen Hawking und Pep Guardiola. Die erklären einem die wildesten Theorien und Taktiken vor, während und nach dem Training. Keine Studie, keine Wissenschaftliche Abhandlung zum Thema „Trainings Stress Score“, kein Artikel in den einschlägigen Fachzeitschriften und selbst kein Buch über Tausende Seiten zum Thema Radsport kann veröffentlicht werden, ohne dass dieser Freak es nicht gelesen und auswendig gelernt hätte. ER weiß fast immer mit fundierten Wissen zu punkten und hat auf jeden Fall mächtig Plan, was er da tut. Dat Problem an der Sache ist: kein Arsch kann ihm folgen und schaltet spätestens nach der siebten Analyse seines dritten 37,5 Sekunden Critical Power Tests, den er in diesem Jahr gefahren ist, ab. Der Typ hat wirklich viel Watt und viel Licht.

 

Der Antiwissenschaftler:  Dann wiederrum gibt es Typen, bei uns im Pott würde man sagen Vollpfosten, die haben die tiefen Teller des Radsports nicht nur nicht erfunden, die finden die nicht mal im Schrank. Früher hat man immer gesagt „dumm tritt gut“. Genau das trifft auf diesen Typ—Fahrer zu. Der hat wirklich null Ahnung von der gesamten Materie, interessiert sich einen feuchten Furz für Watt, Leistung, CP, Puls und Trainingsmethodik, er fährt einfach irgendwie und ohne Plan und trotzdem ist dieser Typ verdammt schnell. Ich hab keine Ahnung wie sowas funktioniert, ich weiß nur, dass es funktioniert.

 

Der Coffeerider: Der Lieblingsmitfahrer, vorausgesetzt man will nicht gerade richtig trainieren. Dieser Typ steuert sein gesamtes Training einfach nur nach den von ihm im Vorfeld herausgesuchten Cafés, ganz egal wo er sich befindet. Manch ein Radsportler sucht sich, bevor er an einen neuen Ort kommt, die besten Strava-Segmente raus, dieser koffeingesteuerte Suchti informiert sich online vorher über die besten Cafés auf Tripadvisor, schreibt die Betreiber gerne auch schon mal persönlich auf Facebook an und hat ein Fabel für Rocket Espresso Siebträger. Grundsätzlich keine schlechten Eigenschaften und sicher einer der angenehmeren Radfahrer, die jeder kennt, wäre da nicht seine Koffeinsucht. Der kriegt morgens schon einen Tatterich, wenn die automatische Aufheizfunktion seiner Siebträgermaschine nicht um punkt 6 Uhr funktioniert hat, wie ist der wohl erst drauf, wenn´s mehr als 10 km ins nächste Café sind?

 

Der Schönwetterfahrer: Klassiker. Muss man gar nichts zu sagen. Sind wir alle ein bisschen. Nervig, wenn einer grundsätzlich jedes Mal absagt, wenn eine kleine Wolke am Himmel zu sehen ist, aber verständlich auf jeden Fall.

 

Der 20cm-Vorfahrer: Wirklich ausnahmslos jeder Radsportler, der schon mal in einer Gruppe mitgefahren ist, wird dieses Arschloch kennen. Er treibt einen in den Burnout und löst bei seiner Anwesenheit einen Laktatwert jenseits der 20 mmol aus. Ihr wisst wen ich meine 😉 Der Typ ist gut trainiert und kann im Flachen beißen wie ein Tier. Genau das will er jeden in der Gruppe wissen lassen, denn er ist Vorfahrer, 20 cm Vorfahrer. Dieser Mensch will gewinnen, will immer vorne sein, hasst es, wenn jemand gleich schnell fahren kann, und genau deswegen fährt er immer konsequent 10-20cm (vielleicht ja je nach Länge seines…) vor seinem Nebenmann. Dass diesem meist schon lange die Zunge auf dem Oberrohr hängt, er sich innerlich schon überlegt, ob es nicht vielleicht sogar zu gnädig wäre ein Messer statt eines Löffels zum Abstechen seines Kameraden zu nehmen, vor Wut schon zu schäumen beginnt und kurz vor einer riesen Explosion steht, merkt der 20 cm Vorfahrer nie. Das einzige was ihn interessiert, ist dass er nach dem Training zuhause auf der Couch sitzen kann und genüsslich darüber nachdenken kann, was er doch für eine geile, fitte Sau heute war. Fit ist er keine Frage, aber das Leben dieses Pimmelbergers hängt jedes Mal am seidenen Faden.

 

Der King of Mountain: Das Verhalten dieses Sportlers ist eine fast ausschließliche Eigenart des männlichen Geschlechts. Ich kenne wirklich keine Frau, die auch nur ansatzweise in die Nähe von einem weiblichen Äquivalent kommt. Deswegen bezeichne ich diesen Herren absichtlich als „King“ of Mountain. Diese Type hat seine Existenzberechtigung erst im Jahre 2009 erhalten. 2009  war das Jahr des Gorillas, in Köln stürzte das Stadtarchiv ein und die Folgen der Weltwirtschaftskrise belasteten alle. Aber das alles hat im Jahr 2009 keine Rolle gespielt, wenn man bedenkt, was in diesem Jahr erstveröffentlicht wurde: STRAVA. Seit 2009 können sich alle Hobby- und Profisportler in diesem sozialen Netzwerk der Wadenkrämpfe messen. 2009 war also das Geburtsjahr dieser Type, auch wenn er da schon 30 Jahre alt war. Denn von nun an konnte er sich jeden Tag mit allen seinen Kollegen weltweit messen, jetzt haltet euch fest, ohne dass er die Idioten überhaupt sehen musste. Das alles, was früher noch in der Gruppe entschieden wurde, die Marotten der Ortschilder, die Lutscher, die 20 cm Vorfahrer, all diese Personen, haben seit 2009 einen guten Teil ihrer Existenz verloren. Denn auf Strava findet jetzt die soziale Interaktion zwischen Radfahrern statt. Der King of Mountain ist die Perversion des Ganzen. Das einzige was ihn interessiert ist, wie große seine persönliche Sammlung an KOMs, Strava-Fanartikeln und Auszeichnungen ist. Gerne werden bestimmte Segmente auch neu erstellt oder bereits bestehende bearbeitet, weil man eine Sekunde zu langsam war. Aussagen wie „scheiß GPS am Iphone…da ist ja klar, dass ich den KOM nicht hole“ stehen genauso auf der Tagesordnung, wie das auswendig gelernte Wissen, wo welches Segment mit welcher Zeit zu finden ist. Das Geilste am Tag des King of Mountain ist das Gefühl, wenn man weiß, dass ein anderer gleich bescheuerter Idiot gerade eine E-Mail von Strava und eine Benachrichtigung auf dem Handy bekommen hat, in der steht: „Du hast deinen KOM auf….verloren.“ Herrliches Gefühl, besser als jeder Sieg im Rennen.

 

Das war Teil 1, wenn ihr noch mehr Radfahrer habt, die jeder kennt oder kennen sollte, schickt mir ne PM auf Facebook oder Instagram.

Liebe Grüße,

Euer Ben

16 Nov

3 aus 3! Erneuter Sieg beim NRW-Cross-Cup in Hürth

In Allgemein by Ben / 16. November 2017 / 0 Comments

Ich weiß nicht woran das liegt, aber Crossen macht mir diesen Winter mehr Spaß als sonst. In den letzten Jahren habe ich zwar auch immer wieder den NRW-Landesmeistertitel geholt, war aber nie so begeistert wie in diesem Jahr. Ich glaube das neue Bergamont Grandurance CX und das Einführen der Scheibenbremse in den Cyclocross-Sport waren ein wirklicher Segen für mich. Meine neue Cross-Maschine (7,5 kg) fährt sich beinah wie ein MTB-Bike. Es ist wendig, agil, hat einen super Antritt und liegt gleichzeitig auch noch aerodynamisch. In Hürth hatte ich endlich die Gelegenheit das neue Rad auch mal im Rennen zu testen. Wie schon in Rade in Person von Marvin Schmidt, stand in Hürth ein prominenter und starker Gegner mit mir am Start. Tour de France-Fahrer Nils Pollit von Katusha-Alpecin, den ich schon seit einigen Jahren kenne, wollte sich offenbar auch mal ein wenig einsauen und stand mit seinem neuen Canyon Crosser direkt neben mir am Start. Da es Nils Heimrennen war, gesellten sich trotz sehr bescheidenen Wetters einige Zuschauer an die durch den Regen aufgeweichte Strecke. Die Geschichte von Hürth ist schnell erzählt. Ich wusste, dass ich am Start gleich Dampf machen sollte, um Nils, der von den Straßenrennen sicher einen anderen Rhytmus gewöhnt ist, gleich aus der Reserve zu locken. Leider crashte ich schon zu Beginn mal wieder in eine Hürde (wie soll es auch ohne gehen haha). Diese bestand in Hürth zum Glück nicht aus Holz, sondern aus Stroh, so dass es kein Problem war (wichtig ist beim Hürdenspringen auch die Anfahrt und ggf. Wurzeln im Auge zu behalten ;-). Trotzdem konnte ich nach bereits einer Runde mit reichlich Vorsprung in den Rest des Rennens gehen. Dieser wuchs immer weiter an.

 

Kleine Kuriosität war vielleicht noch, dass ich zum allerersten Mal ein Wechsel des Bikes im Rennen erleben durfte. Im Crossen ist es üblich bei schlammigen Bedingungen den fahrbaren Untersatz zu wechseln, damit der Mechaniker (Hansjörg hat mal wieder einen Weltklasse-Job gemacht) das Bike wieder frisch poliert um u.a. die Funktion der Schaltung zu gewährleisten. Beim Wechsel war ich komplett überfordert und hatte keine Ahnung, wie man sowas anstellt. Es lief darauf hinaus, dass ich in die Zone gefahren bin, mein Fahrrad während der Fahrt einfach los ließ und das andere übernahm. Dabei krachte zwar ein Rad ins andere und zahlreiche Betreuer mussten aus dem Weg springen, aber was soll´s? Ich konnte reibungslos weiter fahren und am Ende das Rennen trotz des Radwechsels souverän gewinnen. Fazit: Die typischen crossspezifischen Fähigkeiten wie Radwechsel, Laufen und Radschultern gehen mir komplett ab, was ich durch Fahrtechnik, sauberes Fahren und ordentlich Dampf aber auszugleichen weiß. Vielleicht wird wenn oben genanntes irgendwann auch noch klappt aus mir ja sogar noch ein passabler Crosser 😉 Ich halte euch diesbezüglich natürlich auf dem Laufenden. Nächste Chance das zu verbessern sind die Landesmeisterschaften im Cross in Rheine und der Finallauf des NRW-Cross-Cups in Pulheim. Bis dahin locker bleiben und trotz des Novemberwetters den Spaß am Biken nicht verlieren.

Euer Ben