Hammer bei der Europameisterschaft / Platz 20 !

Hammer bei der Europameisterschaft / Platz 20 !

Liebe Fans, liebe Sponsoren, liebe Unterstützer. Schaut Euch die folgenden Bilder an und Ihr seht, warum unser Sport der schönste Sport der Welt ist. Er ist hart, brutal hart; er fordert alles von Dir, wirklich alles; aber er gibt Dir auch dieses eine Gefühl: Ich gehöre zu den wenigen, die ihn auf Top-Niveau machen können, nein machen dürfen, sollte ich eigentlich mit etwas Demut sagen. Wie hart, aber schön Cros-Country ist, habe ich an diesem Wochenende bei der Europameisterschaft in Darfo Boario Terme erfahren. Und wenn dazu dann noch ein Top-Resultat kommt, dann weißt Du, warum der Ganzkörperschmerz, den Du nach dem Rennen und am nächsten Tag empfindest, sich lohnt. In der Staffel am vergangenen Donnerstag hatte ich ja schon das Vergnügen, die Strecke in Darfo Boario Terme kenenlernen zu dürfen. Die Strecke war ein Kracher, im wahrsten Sinne des Wortes. In nahezu jeder Abfahrt war fahrtechnisches Können der allerhöchsten Art gefordert und auch bergauf ging es immer über Wurzeln, Steine und Geröll. Sie hatte aber auch einen Nachteil: Bei Nässe würde sie gefährlich; beim Staffelrennen war es trocken, doch in der Nacht vor unserem Rennen, kam der Regen… Die heftigen Gewitter, die in der Nacht vor den XCO-Rennen niedergingen, brachten zwar keine nennenswerte Abkühlung, aber die Strecke veränderte sich massiv. Viele Streckenteile lagen im Wald, wo die brütende Sonne, die morgens wieder schien, nicht hinkam. Dazu Temperaturen jenseits der 30 Grad und eine unglaublich Schwüle. Um einen kühlen Kopf zu bewahren, gab es daher von unseren Physios Kühlhandtücher. Handtücher -mit Eiswürfeln gefüllt- sorgen dafür, dass beim Warmfahren die Körpertemperatur so lange wie möglich unten bleibt. Dazu Sonnenschirm, die uns Fahrern vor dem Start von unseren Betreuern gehalten wurden. Die Betreuer, die gemeinsam mit unserem Bundestrainer Peter „Speedy“ Schaupp ein optimales Umfeld für uns Nationalfahrer schaffen, haben grossen Anteil daran, dass wir bei solch harten Bedingungen überhaupt Top-Leistungen bringen können. Danke ans ganze Team des Bund Deutscher Radfahrer (BDR), dass Ihr uns mal wieder perfekt betreut habt und uns -egal wo auf der Welt- ein Umfeld schafft, in dem es Spaß macht, sich zu quälen.

Mit dem Startschuss begann die Qual richtig. Mehr als 70 Fahrer machten sich auf die Jagd nach dem Europameistertitel, darunter nur drei weitere Deutsche.

Überhaupt dabei zu sein, war also schon eine Ehre, doch natürlich möchte ich gerade bei solchen Rennen auch möglichst weit vorne landen. Nach dem Startschuss ging es direkt in einen steilen Asphaltanstieg, der in ein Geröllfeld mündete. Wenn jeder der 70 besten Biker Europas als Erster oben sein möchte, wird es eng… Zum Glück konnte ich mich aus dem Startgerangel heraushalten und sortierte mich zwischen Platz 15 und 20 ein. Im folgenden Anstieg nutze ich meine Stärke am Berg und fuhr an einigen Fahrern vorbei, bevor es zum ersten Mal ins „Infield“ ging. Mehrere steile Steinabfahrten, Sprünge und gleich darauf wieder harte kurze Anstiege verlangten uns alles ab. Und dieser Streckenteil lag auch noch in der prallen Sonne. Waren die Steine und Trails hier trocken und gut fahrbar, ging es dann wieder in den Wald, wo man die Linien präzise treffen musste, da sie ausgewaschen und estrem rutschig waren.  Zum Abschluss der Runde dann in kurzen engen Serpentinen auf rutschigen Steinen bis in die Ebene, wo selbst im Start-/Zielbereich noch Anlieger und Baumstämme als Hindernisse warteten. Einerseits war so auf jeder Runde für Abwechslung und Zuschauerunterhaltung gesorgt, andererseits durften wir uns keine Konzentrationsschwäche erlauben.

Entsprechend dosierte ich mein Tempo, um nicht zu überziehen, doch einer der Franzosen deutete dies wohl in der zweiten Runde als ein Zeichen von Schwäche und versuchte sich an einer unmöglichen Stelle vorbeizuzwängen. Ein heftiger Schups von ihm brachte ihn vollends aus dem Gleichgewicht und mich von meiner Optimallinie. Bei relativ hoher Geschwindigkeit konnte ich einen unsanften Kontakt mit einem Baum nicht vermeiden und schlug mit meiner Schulter schmerzhaft ein. Einen kurzen Augenblick brauchte ich, um den heftigen Schmerz zu überwinden und meinen Bremsgriff wieder zu richten. Zum Glück sind die Magura-Raceline-Griffe sehr stabil und gehen nicht gleich zu Bruch. Mehr als 10 Plätze kostete mich der Überdruck, mit dem der Franzose unterwegs war. Viel schlimmer war aber, dass ich schon in der folgenden Runde merkte, dass die Schmerzen in der Schulter blieben und sich vor allem auf meine Leistung bergab auswirkten. Zum Glück konnte ich bergauf die hohe Leistung weiter beibehalten und so gelang es mir, mich dort Platz für Platz wieder nach vorne zu kämpfen. In jeder Runde ließ ich mir zusätzlich zu frischen Getränken auch Eiswasser reichen, dass ich mir über Kopf und Beine goss, um einen Hitzeschock zu vermeiden. Kontinuierlich gewann ich Platz für Platz und eingangs der letzten Runde lag ich bereits wieder auf Platz 23, also nicht weit hinter meinem Ziel der Top 20. Einmal noch rum um den Kurs, nicht an die Schulter denken und Vollgas. So stürmte ich die Berge hoch. Bergab sicher und körperschonend, kein unnötiges Risiko, auch das klappte. Ich überholte zwei weitere Fahrer, lag auf Platz 21, als nur noch wenige hundert Meter zum Ziel zu fahren waren. Eigentlich war der vor mir liegende Tscheche schon zu weit weg, als ich plötzlich sah, dass er die letzte Steilabfahrt schieben musste. Offensichtlich hatte er im Kampf um die Top20 zu viel riskiert und sich noch einen Platten am Vorderrad gefahren. So wurde das unmöglich geglaubte doch noch möglich. Ich zog kurz vor der Ziellinie im Sprint noch vorbei und war ZWANZIGSTER. Bei der Europmeisterschaft! Ein unglaubliches Gefühl. In meinem ersten Jahr in der Eliteklasse!

Als ich dann noch erfuhr, dass Manuel Fumic in einem ebenso starken Finale noch die Bronzemedaille geholt hatte, freute ich mich natürlich noch mehr. Da war dann endlich auch die ersehnte Medaille für unser Team. Congrats, Manni! Starke Leistung und verdienter Lohn!

Wie eingangs gesagt: Hart war es. Heiß war es. Schmerzhaft war es. Es war aber auch unglaublich und für mich ein weiterer Schritt hin zur internationalen Spitze. Jetzt muss ich erst einmal ins Eisbad, werde mich gut erholen und meine Schulter pflegen, denn schon am kommenden Wochenende geht es mit dem Weltcup in Kanada weiter. Drückt mir die Daumen, dass es dort auch so super läuft.

So sehe ich übrigens aus, wenn es heiß und hart ist:

Und hier weitere Bilder (wie immer geschossen von EgoPromotion):